Der klassische Fall unterschiedlicher Geschmäcker. Oder hat mein Kollege Warmaster die falsche CD bekommen. Meine italienischen Freunde von Centurion haben mit ihrem Zweitling "Hyper Matyrium" bei mir richtige Bauchschmerzen verursacht. Germano Quintabà - seines Zeichens für die vocals zuständig (als Sänger kann man den Mann wirklich nicht bezeichnen) - hat es mit angsterregender Perfektion geschafft einen ganzen Longplayer kaputt zu singen.
Nach vielen guten Kritiken des neuen Werkes "Non Plus Ultra" war ich bester Hoffnung, dass sich im Lager der Italo-Power-Metaller etwas getan hat und der Schreihals an seiner Performance gearbeitet hat. Doch weit gefehlt. Einem kleinen Kind würde man den Arsch so richtig versohlen, dass es auch den Fehlern etwas lernt. Nicht so im Falle von Centurion. Erneut schafft es der Frontmann alles in Grund und Boden zu schreien. Das beste Abführmittel nach einem schlechten Mittagsessen.
Umso bedauerlicher, da die Instrumentalfraktion wirklich gut ist und wirklich eine beachtliche Spielfreude an den Tag legt. So beschränken sich die Highlights dieser CD auf die Momente, in denen Germano Quintabà schweigt. Als entgültigen Todesstoss möchte ich dann noch das Cover-Artwork erwähnen, das genug Potential hat, um in die Top 10 der besscheidendsten Covers aufzusteigen.
Im Gegensatz zu Warmaster kann ich nur sagen: Stehen lassen und das Geld in bessere Bands investieren.
3.5 Punkte von LEX (am 14.11.2002)
musikalischer Background des Verfassers True-und Power-Metal, Viking/Pagan/Folk-Metal, Osteuropa und Exoten in jeglicher Form, Genreübergreifendes, auch mal Thrash oder Death und Black in melodischer Ausprägung sowie ein wenig Gothic und Punk.
X Aktuelle Top6
1. Soulhealer "Chasing The Dream"
2. Bad Religion "True North"
3. Paradox "Tales Of The Weird"
4. Galderia "The Universality"
5. Forcentury "Revelant"
6. Martiria "Roma S.P.Q.R."
X Alltime-Klassix Top6
1. Kruiz "I"
2. Aria "Playing With Fire"
3. Nomans Land "The Last Son Of The Fjord"
4. Helloween "Walls Of Jericho"
5. Paradox "Heresy"
6. Gates Of Ishtar "At Dusk And Forever"
Crossreview von WARMASTER:
Eine italienische Power Metal Band bei einem italienischen Label ? Hmm ...
Seelisch stellte ich mich auf Eunuchen-Metal mit viel Pathos und Schmalz
ein - doch weit gefehlt ! Der Sänger klingt schon irgendwie so wie Michael
Kiske auf Drogen. Das Timbre in der Stimme stört etwas. Dies ist
aber der einzige Kritikpunkt an einem Album, daß Freude pur aufkommen
läßt. HAMMERFALL und vor allem BLIND GUARDIAN sollten mal einen zweiwöchigen
Crash-Kurs 'Wie schreibe ich ein glaubwürdiges Power-Metal-Album und ruhe
mich nicht nur auf meinen Lorbeeren aus !" in Italien machen.
'Maximum Golgatha' stimmt einen richtig schön auf eine knappe Stunde Head-
bangen ein, während 'M.A.S' dann so richtig loslegt - Power Metal vom Allerfeinsten.
Das Titelstück steigert sich dann nochmals - man hält es kaum für möglich - ein
göttliches Riff, welches an die glorreichen Tage des Genres irgendwann in den
Achtziger Jahren und dann wieder nach Erscheinen des ersten HAMMERFALL-Albums
erinnert. Eine tolle Melodie und Mitgröhl-Refrains runden dieses Jahrzehntstück ab.
'Panzer March', hmmm, anfangs hört man Schlachtenlärm und Zurufe auf
deutsch ("Rechts und links die Flanken schließen !"), hmmm, na lassen wir das
mal beiseite - schließlich klingt das Stück verteufelt nach MANOWAR. Germano
gibt sich richtig Mühe so zu klingen wie Joey DeMaio. Sehr unterhaltsam ...
'The Crucifier' läßt es dann wieder ordentlich krachen; ein tolles Riff nach dem
anderen wird aus dem Ärmel geschüttelt, als ob das nichts wäre.
'Megalometal' hat ein zusätzliches Schmankerl in Form von sehr tiefem thrashigem
Hintergrundgesang zu bieten. 'Roma Caput Mundi' (Für die Nichtlateiner: Rom, die
Hauptstadt der Welt) - ein Riff, das mich irgendwie an frühe HELLOWEEN erinnert,
mündet in ein recht langsames, fast schon balladenhaftes Stück.
'Ius Primae Noctis' (Das Recht eines Fürsten oder Lehnsherrn auf die erste Hoch-
zeitsnacht mit der Gattin eines seiner Untergebenen; siehe -> CRYPTIC CARNAGE -
Rozelowe) zieht auch gut durch und bei den letzten beiden Stücken kann man
nochmals richtig schön die Matten kreisen lassen.
Fazit: Eine Superscheibe, welche die zuletzt schwächeren Veröffentlichungen
gewisser bekannter Power Metal-Kapellen schnell vergessen läßt.
Abwechslung und Spielfreude wird ganz groß geschrieben.
Unbedingte Kaufempfehlung !
Track List:
01. Maximum Golgatha
02. M.A.S.
03. Non Plus Ultra
04. Panzer March
05. The Crucifier
06. Megalometal
07. Roma Caput Mundi
08. Ius Primae Noctis
09. Soap Opera
10. Neanderthal