Den Wunsch, eine Graveland CD zu rezensieren hegte ich schon lange doch war ich mir nie so ganz schlüssig welches Album der polnischen band um Rob Darken denn nun dran glauben sollte! Nach langem Hin und Her habe ich mir für vorliegende Platte, „Immortal Pride“ entschieden, wohlwissend dass diese CD genügend Stoff für Diskussionen bietet da sich an ihr viele Geister scheiden. Die einen sagen, dass GRAVELAND nur in den frühen Jahren ihrer Existenz hörenswert waren (als man noch dem rohen Black Metal frönte) und andere sagen, dass GRAVELAND erst seit der „Following the voice of blood“ hörenswert für sie geworden ist, da die Band dann langsam in das gemäßigtere Lager abdriftete.
Ich für meinen Teil kann allen musikalischen Phasen von GRAVELAND etwas abgewinnen, zwar mag ich die rohen alten Sachen wie z.B. die „In the glare of burning churches“ lieber als die bombastischeren neuen Veröffentlichungen aber gerade mit „Immortal Pride“ hat sich die Band selbst übertroffen.
Die Scheibe beginnt mit einem der genialsten Intros die mir jemals zu Ohren gekommen sind. Jedes Mal wenn ich Robs’ Keyboardspiel in diesem Intro höre fühle ich mich wie weggetreten, unfähig das gerade eben vernommene in Worte zu fassen. Man hört einen Vogel schreien (ist es eine Möwe? Ich glaube schon!) und man fühlt sich wie an ein Meer versetzt, umgeben von einem mächtigen Wald welcher bis fast zum Ufer reicht, vereinzelte Möwenschreie dringen vom sandigen Ufer zu den letzten Strahlen der untergehenden Sonne und über allem liegt das erhabene Tastenspiel von Rob Darken.
Allein wegen diesem Intro müsste ich eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen, selbst wenn das restliche Material der Scheibe Mittelmaß wäre aber GRAVELAND haben ihr Pulver noch längst nicht verschossen, Im Gegenteil, sie fangen erst an.
Lied Nummer 2 (von insgesamt 4) beginnt mit leisem Gitarrenspiel und geht nach kurzer Zeit in einen gemäßigten Midtempotakt über, welcher einem wie von selbst eine Gänsehaut über den ganzen Körper legt, die einen so schnell nicht mehr loslässt. In diesem Song hat Rob die ideale Mischung zwischen anmutigen Keyboardmelodien und Härte gefunden, es passt einfach alles! Gerade das Anfangsriff mit dem hymnischen Keyboardspiel Darkens’ erinnert einen etwas an Bathory und vor allem Falkenbach, so genial und stimmig fließt die Musik aus den Boxen. Der Gesang pendelt die ganze Zeit über zwischen klaren Kriegergesängen und gemäßigtem Gekreische, die Stimme drängt sich niemals im Vordergrund, sie akzentuiert lieber einzelne Passagen mit Robs’ unverwechselbar heiserer Stimme und schraubt die Intensität noch viel weiter in die Höhe.
Das Tempo zieht in Song 2 und 3 zwar auch ab und zu etwas an, dennoch kann man nie von Geknüppel oder Raserei sprechen, dazu fehlt das letzte Quäntchen Aggression, was diese Scheibe aber gerade so besonders macht!
GRAVELAND müssen keine neuen Geschwindigkeitsrekorde aufstellen oder mit besonders bösem Black Metal daherzukommen, diese Zeiten sind im Lager der Polen längst vorbei! Heutzutage widmet man sich lieber dem erhabenen Midtempo und nur noch ab und an schimmert ein Teil von GRAVELANDs’ musikalischer Vergangenheit in Form von Blast Beats oder schrammelnden Gitarren durch. Das heutige Stadium der Band lässt sich mit zur Ruhe gesetzten stolzen Kriegern vergleichen, welche schon viele ruhmreiche Schlachten geschlagen haben und der ganzen Welt ihren Heldenmut bewiesen haben. Heute lassen es die mächtigen und stolzen Krieger von einst etwas ruhiger angehen und nur noch selten schimmert die damalige Aggression in Form von Erzählungen oder alten Weisen durch. Dennoch haben sie nichts von ihrer Stärke und Erhabenheit verloren, sie setzen diese nur anders ein!
Was „In the glare of burning churches“ für die Black Metal Phase GRAVELANDs war ist „Immortal Pride“ für die Pagan Metal Seite der Band. Beide Alben sind Meilensteine im Schafen GRAVELANDs, wenn auch auf ihre eigene Art und Weise.
Der Sound der Scheibe ist in meinen Augen auch sehr gut ohne überproduziert zu wirken. Man hört alle Instrumente deutlich heraus (auch das Schlagzeug, was in der Vergangenheit der Band ja nicht immer so war“) und dennoch wird dem Hörer ein sehr authentisches und ursprüngliches Feeling vermittelt.
Auch als sehr gelungen bezeichne ich die Gestaltung des Booklets. Das Cover zeigt eine Art Zeremonie zur Ehrung eines Kriegers und ist meiner Ansicht nach das bisher beste GRAVELAND Cover. Zum positiven Gesamteindruck kommt noch hinzu, dass im Booklet alle Texte abgedruckt sind.
Ich wüsste keinen Grund, warum einem mythologieinteressierten Pagan/Black Metal Fan diese Scheibe nicht gefallen sollte, (mal abgesehen von denen, welche seit jeher gegen GRAVELAND waren) meiner Ansicht nach ist diese Scheibe nach Falkenbachs Debütalbum eine der besten Pagan Metal Platten aller Zeiten!
9.0 Punkte von Björn Springorum (am 05.03.2002)
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musikalischer Background des Verfassers Ganz klar aus dem frostig-kalten Black Metal kommend, jedoch ist eine starke Tendenz zu elektronischen Klängen harscher Natur und folkigen Klängen überaus sanfter Natur zu erkennen...fügt man nun noch eine Prise Yann Tiersen dazu...voila!
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