Schade eigentlich, dass der vorliegende zweite Teil der Nektar-Reihe, „Seen, Flüsse, Tagebücher“, bereits der letzte gewesen sein soll. Was Nocte Obducta mit diesem zweigeteilten Epos geschaffen haben, lässt sich einerseits schwer in Worte kleiden, andererseits haben sich die sechs ungemein talentierten Musiker spätestens mit des Nektars zweitem Teil einen ganz vorderen Platz in der Riege deutscher Schwarzmetall-Tonkünstler erspielt. Nicht, dass Nocte Obducta dem Black Metal frönen, mitnichten! Einzig und allein das von der Band als „primitives Zwischenspiel“ titulierte „Schwarzmetall“ präsentierte die Formation als rumpelige Schwarzwurzel-Combo, jegliche anderen Veröffentlichungen jedoch trugen stets den Stempel des avantgardistischen, des entrückten und schwer zu kategorisierenden Musizierens jenseits geltender Konventionen und mitten hinein ins dunkle Herz. Auch „Seen, Flüsse, Tagebücher“ ist ein beeindruckendes Exempel dafür, wie Black Metal aufgewertet, zu etwas Strahlendem, Erhabenen, Genialen aufsteigen kann. Ob zart in den Sound eingewebte Akustikgitarrenläufe, sphärisch-entrückte Ambient-Synthieexperimente, ein steter Wechsel zwischen rauem Kreischgesang und sonorem Beschwören (welches an den Drawn-Vokalist erinnert) oder zentnerweise gänsehauterzeugenden Riffs sowie dazugehörendem kompositorischem Feingefühl, Nocte Obducta geizen nicht mit frischen Ideen und verschleiern ihr Können keineswegs. All dies bündelt sich in dem wahrlich großen Opus „Und Pan spielt die Flöte“. Innerhalb von 15 Minuten decken Nocte Obducta jegliches existentes Gefühlsspektrum ab, beginnen mit verträumten Akustikgitarren, wechseln in einem ruppig-klirrenden Blastbeat, welcher alsbald in einen hymnischen Midtempotakt verfällt, das geniale Riff beibehält und zusätzlich verhaltene Keyboardtupfer in die Musik einstreut. Dazu ein wahrhaft poetischer Text fern jeglichen Klischees und die überzeugende Rezitierung – fertig ist ein Meisterstück avantgardistischen Black Metals. Keineswegs jedoch ist dieses Stück das einzige Highlight auf dieser über 50-minütigen Fahrt durch das Klangspektrum dunklen Metals. „Es fließe Blut“ repräsentiert die nordisch-inspirierte Black Metal-Seite der Deutschen, „Atme“ wiederum beginnt ungewohnt jazzig (!), doch keine Sorge, noch immer ist der melancholische Grundtenor des Albums enthalten. Alsbald jedoch bricht auch hier das Kartenhaus der Gefühle zusammen, baut sich neu auf und erschafft ein beinahe folkig beginnendes Kleinod mit düsterem Sprechgesang. Im verlauf des Songs wechseln sich monotone Black Metal-Parts und stampfende Death Metal-Einflüsse ab, kreieren einen abermals mitreißenden Song, welcher einen krönenden Abschluss unter die geniale Nektar-Reihe setzt. Keine Frage – wer in zehn Jahren von gutem deutschen Black Metal spricht, ohne die beiden „Nektar“-Teile im Schrank stehen zu haben, verliert jegliche Legitimation!
9.0 Punkte von Björn Springorum (am 06.06.2005)
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musikalischer Background des Verfassers Ganz klar aus dem frostig-kalten Black Metal kommend, jedoch ist eine starke Tendenz zu elektronischen Klängen harscher Natur und folkigen Klängen überaus sanfter Natur zu erkennen...fügt man nun noch eine Prise Yann Tiersen dazu...voila!
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