Die Norweger von ENSLAVED gehören zu den wenigen auserwählten Bands welche eine eigene Bezeichnung für ihre Musik gewählt haben, die mittlerweile sehr populär geworden ist. Ähnlich VENOM’s Album „Black Metal“ prangt auf ENSLAVED’s „Frost“ in großen Lettern „Viking Metal“. Meines Erachtens sind sie damit die erste Band gewesen welche diese Kategorisierung öffentlich darlegte („Viking Metal“ gab es wohl vorher schon, man denke nur an BATHORY, aber eben nicht unter dieser Bezeichnung!) und gelten deswegen als Begründer einer ganzen Musikrichtung.
Obwohl heute meilenweit von ihrer ursprünglichen musikalischen Ausrichtung entfernt lieferten der Norweger Anfang der Neunziger doch beachtliche Zeugnisse ihrer Definition des „Viking Metal“ ab, strahlende Monumente am nordischen Firmament welche nur so vor roher Kraft und ungestümer Wut strotzten! Textlich vor allem an der nordischen Mythologie angelehnt zeichneten sich ENSLAVED’s Frühwerke vor allem durch rasend schnelle Lieder aus .Das strahlendste dieser Monumente ist wohl zweifellos ihr Werk aus dem Jahre 1994, „Frost“. Und der Name der CD ist Programm! Ich habe bis heute noch keine CD gehört welche so nach Kälte und ewigem Frost kling wie dieses Meisterwerk! Allein das Intro, „Frost“, lässt einem wahrlich das Blut in den Adern gefrieren und die heimischen Boxen zu Eiszapfen werden, werden dem Keyboard doch Töne entlockt welche einen unweigerlich an die verschneite Tundra Nordnorwegens erinnern!
Danach legen ENSLAVED los und zeigen der restlichen Welt wie Viking Metal zu klingen hat! Extrem schnell, fies und räudig entpuppt sich der eigentliche Opener, „Loke“ als Highspeedgranate allererster Güte und zeichnet sich vor allem durch das exstatische Schlagzeugspiel Trym’s aus, ein wahrer Meister seines Fachs! Richtig erhaben wird es aber erst wenn sich zu diesem Auftakt ein ebenbürtiges Organ gesellt! Grutle kreischt so voller Hingabe und Agonie dass es eine wahre Freude ist! Gerade dieser Gesang ist es, welcher ENSLAVED weit über die anderen Viking Metal Bands hebt und die Musik unvergleichlich macht.
Auf dem Album findet sich ein Highlight neben dem anderen, man höre nur die hymnenhaften Keyboardklänge in „Svarte Vidder“ oder das ruhige „Yggdrasil“ welches Odins Erlangen der Weisheit am Baume Yggdrasil beschreibt. Besonders gelungen ist der Schlußtrack „Isöders Dronning“ welcher sich nach einem gefühlvollen Akustikgitarrenintro zu einer wahren Hymne schwarzer Tonkunst entwickelt in dem wieder alle ENSLAVED Trademarks zusammenkommen: Die geniale Stimme Grutle’s, das abartig schnelle Schlagzeugspiel Trym’s und die frostigen Gitarren Ivar’s.
Die Texte werden in altnorwegisch herausgeschrieen, im Booklet findet sich allerdings deren englische Übersetzung, welche sehr hilfreich und lobenswert ist da die Texte überaus interessant und gut geschrieben sind!
ENSLAVED haben mit diesem Album den Viking Metal definiert und dennoch klingen nur wenige Bands, welche sich mit der gleichen Stilbezeichnung schmücken so sehr nach Kälte, Stolz, Altertum und Wissen wie ENSLAVED.
Mit der hymnenhaft-melodischen Ausrichtung anderer Viking Metal Bands wie THYRFING, MITHOTYN oder ähnlichen hat dieses Album aber wenig gemein, zu groß ist die hier freigesetzte Aggression.
Obwohl ENSLAVED heute zwar alles andere als Viking Metal abliefern muss man ihnen jedoch zugestehen dass die ganze Arbeit geleistet haben und mit „Frost“ ihr absolutes Meisterwerk veröffentlicht haben an das die Band höchstwahrscheinlich nicht mehr herankommen wird!
Was noch dazu kommt ist der großartige Sound welchen diese Platte im altehrwürdigen Grieghallen verpasst bekommen hat! Roh, ungeschliffen dringt die Musik aus den Boxen. Das Schlagzeug klingt, wie bei vielen Grieghallenproduktionen , einmalig, die Toms rumpeln was das Zeug hält und die Snare klingt genial hohl und gerade das macht den Spirit dieser Platte aus!
Viking Metal ohne Enslaved’s „Frost“ ist heuet unvorstellbar und alle diejenigen, welche die Platte noch nicht besitzen sollten dieses Versäumnis schleunigst wettmachen! Es ist noch nicht zu spät!!!
9.5 Punkte von Björn Springorum (am 03.02.2002)
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musikalischer Background des Verfassers Ganz klar aus dem frostig-kalten Black Metal kommend, jedoch ist eine starke Tendenz zu elektronischen Klängen harscher Natur und folkigen Klängen überaus sanfter Natur zu erkennen...fügt man nun noch eine Prise Yann Tiersen dazu...voila!
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