Beim Blick auf den Einband denkt man unwillkürlich an die reisserischen Sendungen auf den Kommerzsendern im Fernsehen. „Giganten der Rockmusik“ – natürlich mit passender CD im Handel! Die vorgestellten Musiker können ja nix für den tumben Moderator und seine minderbemittelten Gäste; da wird eine Statistik herbeigezaubert und mal eben 100 Top Hits durch ein 2 ½- Stundenprogramm gejagt, mit Liveacts diverser bereits scheintoter „One-Hit-Wonder“ aus den 70er jahren, die nicht mehr viel kosten! Ich kann mich einer leichten Voreingenommenheit zu diesem Buchband nicht erwehren.
Wie wird man Gigant? Wann ist man eine Legende? Wer bestimmt das – Ernst Hofacker? Wohl kaum!
Legenden entstehen durch Erzählen, dem Weitergeben von Erlebten, der Darstellung einer Lebensleistung eines Ereignisses. Wobei nach dem Prinzip der „Stillen Post“ durchaus glorifizierende oder mythische Elemente als Katalysator zur Verstärkung der Bewunderung eingebaut oder gar hinzugedichtet werden. Es ist, wie so oft im Leben, die Betrachtung wird auf die eigene positive oder negative Einstellung begrenzt, hierin aber paradoxerweise schwer ausgebaut.
So auch dieses Buch von Ernst Hofacker – einigen wir uns darauf, dass es SEINE Helden der Rockmusik sind, erleichtert dies die unvoreingenommene Betrachtung, zumal oder gerade weil aus seiner Profession als Musikjournalist heraus, Persönliches und Erlebtes die ganze Geschichte doch sehr unterhaltsam macht. Er ist als Chefredakteur für „Guitar Dreams“ tätig. Als Buchautor veröffentlichte er vor zwei Jahren "Confessin' The Blues - Die Musik der Rolling Stones 1963-2008", ein Buch, das man bereits nach kurzer Zeit durchaus als Standardwerk bezeichnen darf. Man kann also davon ausgehen, dass er weiß, wovon er schreibt und seine Einschätzung der toten oder noch lebenden Musiker auch von einer gewissen Fachlichkeit geprägt ist.
Das zeigt er in beindruckender Weise bereits mit seinem Intro zur Entstehung der Rockmusik und seiner Ableger über die Unterwanderung der Rassentrennung in den USA, die damaligen Jugendbewegungen, die sich über die Musik artikulierten, bis hin zu den neuen Lebensgefühlen und –einstellungen, die sich in neuen Kuluren oder Szenen aus dem englischsprachigen Raum über die USA und Großbritannien ihren Weg in den Westteil des Globus bahnten. Kurz, aber eingängig und stimmig dargestellt.
Dieser gute Eindruck setzt sich durchaus in den einzelnen Kapiteln fort – über die Auswahl der „Legenden“ kann man trefflich streiten, aber ihre Beschreibung ist durchaus kurzweilig und gelungen.
Warum Keith Richards sich speziell 5 saitige Gitarren anfertigen ließ, die Auslöschung der Band Lynyrd Skinyrd durch einen tragischen Unfall oder der nicht minder katastrophale Lebenswandel eines Rory Gallagher – kurzweilig und mit einer persönlichen journalistischen Nähe abgefasst, welches doch im erfreulichen Gegensatz zu der negativen Erwartungshaltung des überzogenen Titels steht.
Gut auch: die biographischen Darstellungen der Künstler in Kapiteln mit angehängtem Register; dadurch ist es bestens als Bettlektüre geeignet. Schlecht: das unhandliche dicke Taschenbuchformat; es tut weh, wenn es beim Einschlafen auf den Kopf fällt und dazu wird es bei häufigem Gebrauch auch schneller zerfleddert.
Fazit:
Kompetente biographische Darstellung bekannter, zur „Legende“ erhobener Rockmusiker und Gruppen. Eingängig und Lesenswert, trägt mitunter zu dem einen oder anderen Künstler zu einer Wissenserweiterung bei.
Die Auswahl der Legenden ist jedoch subjektiv und dem persönlichen journalistischen Umgang mit diesen geschuldet; gut für den Inhalt, schlecht für den anspruchsvollen Titel.
Wo ist Billy Gibbons mit ZZ TOP, wo Eddy van Halen, wo Steve Lukather mit TOTO.....?; jeder hat so seine Legenden. Wem die von Ernst Hofacker zusagen, sollte mal ins (Taschen)Buch reinschauen.
480 Seiten mit zahlreichen Fotos (s/w)
Sprache: Deutsch
Medium: Taschenbuch
Format: 17,8 x 11 cm
Erschienen im Hannibal Verlag, 2011
1. Auflage ISBN: 978-3-85445-363-5,
EUR 16,99 (lt. Verlag)
Tracklist:
Lineup:
Prolog: Helden und Opfer
01: Muddy Waters: Blues-Buddha
02: B.B. King: Grandaddy Guitar
03: Chuck Berry: Reelin' And Rockin'
04: John Lennon: Working Class Hero
05: Bob Dylan: Mr. Tambourine Man
06: Keith Richards: Des Teufels rechte Hand
07: Ray Davis und die Kinks: Misfits
08: Pete Townshend: Behind Blue Eyes
09: Van Morrison: Caledonia Soul
10: Eric Clapton: Journeyman
11: Jimi Hendrix: Voodoo Chile
12: Pink Floyd: Crazy Diamonds
13: Creedence Clearwater Revival: Bad Moon Rising
14: Peter Green: Albatross
15: David Bowie: Starman
16: Gram Parsons & Emmylou Harris: Love Hurts
17: Free: Geschmolzenes Gold
18: Rory Gallagher: Der Schweiß des Blues
19: Led Zeppelin: Götterhämmerung
20: The Eagles: Desperados
21: Bob Marley: Soul Rebel
22: Lynyrd Skynyrd: Turn It Up!
23: Bruce Springsteen: Der Boss
24: Tom Petty & The Heartbreakers: Anything That's Rock'n'Roll
25: Stevie Ray Vaughan: Der letzte Bluesmann
Register
ohne Wertung von Matthias (am 01.11.2011)
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musikalischer Background des Verfassers Gitarre
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