Nicht zu fassen, dass sich die GUNS N` ROSES Fans in China nun noch länger gedulden müssen, als der Rest der Welt. Mit „Chinese Democracy“ erblickt seit fast 15 Jahren wieder ein Album von Axl Rose das Licht der Welt und ruft aufgrund des Titels gleich eine politische Kontroverse auf den Plan. In China ist der Verkauf der CD nämlich offiziell untersagt. Einen besseren PR-Gag hätten sich die Gunners gar nicht wünschen können, und doch scheint das Album mit leichten Startschwierigkeiten zu kämpfen. Also ab ins Detail und sich selber ein Bild machen:
Erst mal die schlechte Nachricht: Mehr als 25 Jahre nach Erfindung des Synthesizers hat auch Axl Rose entdeckt, dass man damit Musik machen kann. Jetzt die gute: Zum Glück klingt es trotzdem noch nach GN`R, und Axl Rose hat seine Stimmbänder auch noch nicht im Whiskeyglas verloren.
„Chinese Democracy“ ist auch gleich einer der stärksten Tracks des Albums und serviert auch ohne Slash an der Klampfe eine ordentliche Riff-Packung zum Einstieg. „Shackler`s Revenge“ wartet mit dem eingängisten Chorus auf und erinnert stark an die früheren Meisterwerke der Gunners. Auch mit „Better“ stellt Rose unter Beweis, dass er immer noch ein begnadeter Songwriter ist.
Was allerdings vorbei ist, sind die Zeiten, wo Harleys und staubige Wüsten-Highways das Lebensgefühl einer ganzen Generation ausmachten. Das muss sich auch Axl Rose gedacht haben und dreht bei einem Großteil der Songs (überflüssigerweise) an den Synthesizern. Dabei hätten seine Kompositionen solche Spielereien überhaupt nicht nötig! Die gewollten modernen Elemente in Form von Drum-Computern oder Effekten wirken in der Tat etwas deplaziert.
„Street of Dreams“ ist dann die Killer-Ballade, die sicher anno 1994 ein Riesenhit geworden wäre. Leider müssen wir hier auf den breitbeinigen Slash und seine staubige Kirche in der Wüste verzichten, der kleine sehnsüchtige Blick zurück bleibt halt doch. Dass Axl aber auch ohne die alten Helden ganz gut zu Recht kommt, stellt er mit „There was a time“, „Catcher in the Rye“ und dem fulminanten „Madagascar“ deutlich unter Beweis. Zwischendurch gibt`s ein paar Lückenfüller, mit denen ich leider so gar nicht warm werden kann. Auf „I.R.S.“ oder „Riad N`The Bedouins“ hätte man ganz gut verzichten können. Und mit 11 statt 14 Tracks wären auch alle zufrieden gewesen.
15 Jahre hat es gedauert, und „Chinese Democracy“ ist sicher kein zweites „Appetite for Destruction“, hat aber auf jeden Fall seine Berechtigung in der Diskografie der Gunners. Neben AC / DC und Metallica meldet sich hier dieses Jahr also die dritte große Band aus dem Rock-Bereich zurück und liefert das, was sie am besten kann: Einfach guten Hard Rock. Vielleicht etwas poppiger und auf modern getrimmt, aber immer noch unverkennbar GUNS N`ROSES.
Fazit: Starker Hard Rock, zwar ohne staubige Kirche in der Wüste, aber jeder November Rain geht schließlich einmal vorüber.
Tracklist:
Lineup:
1. Chinese Democracy
2. Shackler’s Revenge
3. Better
4. Street of Dreams
5. If the World
6. There Was A Time
7. Catcher In The Rye
8. Scraped
9. Riad N’ Bedouins
10. Sorry
11. I.R.S.
12. Madagascar
13. This I Love
14. Prostitute
7.0 Punkte von Shylock (am 07.12.2008)
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musikalischer Background des Verfassers Melodic Metal, Melodic Rock, AOR, Sleaze-Glam, Progressive, Power Metal
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