Es gibt Bands, die sich besonders durch einen steten Wandel ihrer Musik selbst definieren. Um so einen Typ handelt es sich wohl bei den deutschen FEAR MY THOUGHTS. Einstmals mit Hardcore/ Metalcore bekannt geworden, schwenkten die fünf Jungs recht schnell in eine Richtung um, die wesentlich mehr mit melodischem Death Metal schwedischer Prägung als mit irgendwelchem Core zu tun hatte. Trotz zwei sehr guter Alben („Hell Sweet Hell“ und „Vulcanus“) blieben FEAR MY THOUGHTS aber immer relativ unbekannt und klein in der Szene. Nun hat man seit ca. einem Jahr einen neuen Sänger namens Martin Fischer am Start und nimmt vielleicht diesen Wechsel am Mikrofon als Auslöser für eine erneute Kurskorrektur.
„Isolation“ hat nicht mehr wirklich viel mit dem melodischen Death/Thrash der Vorgängeralben zu tun, allenfalls lassen sich an wenigen Stellen noch ein paar aggressive Überreste aus dieser Zeit wiederfinden (z.B. in „The Hunted“ und „Pitch Black“). Stattdessen bieten die Freiburger eine immer noch melodische, aber nicht mehr so aggressive Rockmelange, die sich irgendwo in einer Schnittmenge aus schwerem Stoner-Rock, leicht progressivem Modern Metal und 70er-Einflüssen bewegt. Neuzugang Martin erweist sich in diesem Rezept als passende Zutat, indem er seine meist rockig röhrende Stimme sehr variabel einsetzt und stellenweise auch vor sehr ruhigem Singen oder aggressiverem Keifen nicht zurückschreckt. Die ohrwurmartigen Gitarrenläufe werden dabei von ihm mit genauso eingängigen Chorusmelodien versehen, die sich spätestens beim dritten Mal Hören bereits gnadenlos ins Gehirn gefräst haben. Mit vielen kleinen Spielereien versehen, wie ein paar vertrackten Breaks, etwas Einsatz von Orgel und Synthesizer, harten Stakkato-Riffs zwischen entspannten Melodien und dynamischen Stimmungswechseln zwischen ruhig und laut, aggressiv und entspannt wecken FEAR MY THOUGHTS mit ihren rockigen Stücken immer mal wieder für einen kurzen Moment Erinnerungen an andere Bands (z.B. MESHUGGAH, TOOL, FARMER BOYS und - Verzeihung - sogar OOMPH!), dabei verlieren sie aber niemals ihre eigenen Charakteristika aus den Augen und stehen etwa plötzlich nur noch als Plagiat da. Starproduzent Daniel Bergstrand versieht das Ganze dann noch mit einem sowohl fetten, wie auch dreckig rockigem Sound, der keine Wünsche offen lässt und das musikalisch gute Album auch formal rund werden lässt.
Die Freiburger haben sich also mal wieder selbst neu erfunden und bieten auf „Isolation“ eingängigen, leicht progressiven Rock/Metal, der jeder genaueren Definition durch Schubladen etwas trotzt. Tatsache ist, dass der musikalische Umschwung geglückt ist und FEAR MY THOUGHTS ein paar klasse Stücke vorlegen (z.B. „The Blind walk over the Edge“, „Bound and Weakened“, „Through the Eyes of God“, „Burning the Lamb/ The Sacrifice“). Ob man diese neue Richtung allerdings dem Geschmetter der alten Alben vorziehen möchte, bleibt jedem selbst überlassen.
Tracklist:
Lineup:
1. Isolation
2. The blind walk over the edge
3. The hunted
4. Numbered by the beast
5. Bound and weakened
6. Through the eyes of god
7. Death chamber
8. Pitch black
9. Creeping lord
10. Burning the lamb/The sacrifice
musikalischer Background des Verfassers Prog Rock/Metal, Post Rock/Metal/Hardcore, Djent, Swedish/Melodic Death, Folklore/Neofolk, Neo-Thrash/Metalcore, Black Metal, Düster-Rock u.v.m.
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