Spätestens seit seiner Zugehörigkeit zu Mr. Big, als er damals den ausgestiegenen Paul Gilbert ersetzte, dürfte der Mann mit dem für deutsche Verhältnisse befremdlichen Namen eine Begriff sein. Sein virtuoses Gitarrenspiel hat er auf etlichen Veröffentlichungen unter Beweis gestellt, wenn auch nicht alles der Knaller war. Seine Qualitäten wurden den meisten Hörern wahrscheinlich erst bewusst, als er das unglaublich intensive Album „Native Tongue“ mit Poison einspielte. Bereits auf diesem 1993er-Album konnte er seine Fähigkeiten unter Beweis stellen und mit seiner Handschrift schaffte er es, mit einer ziemlich durchschnittlichen Band, ein Megaalbum zu veröffentlichen, welches aber leider immer noch zu einem der unterbewertetsten Werke im Schaffen von Poison gehört. Da sein Mitspiel seitens der Fans nicht akzeptiert wurde, stieg er kurz danach wieder aus und das erste Studioalbum nach dem Split von Poison hieß „Mother Head’s Family Reunion“ und bewegte sich stilistisch im leicht funkig angehauchten Hendrix-Stil. Darauf folgten etliche Studioalben, aber erst mit seinem Einstieg bei Mr. Big wurde er einer breiteren Masse bekannt.
Nun also liegt mit „Return Of The Mother Head’s Family Reunion“ sein neues Album vor und knüpft, wie der Titel bereits verdeutlicht, an das 1994er Album an. Hardrock mit dem leichten funkigen, bluesigen und souligen Anteil erwartet den Hörer. Das Zeug groovt und rockt unglaublich und lässt einen sämtlichen Körperteile nur schwer festhalten. Der Einstieg mit „Go Faster“ gibt die Richtung vor und kann mit einem tollen Chorus überzeugen. Das folgende „You Know That“ kann nicht ganz überzeugen, ist es doch ein wenig schwerfällig geworden. Das erste Highlight folgt mit dem 8minütigen „Fooled Again“. Der Song hat alles zu bieten, was einen Klassiker ausmacht und gehört bereits jetzt zum Besten was Herr Kotzen jemals veröffentlicht hat. Erst hier merkt man so richtig, dass er nicht nur Gitarre spielen kann sondern auch über eine tolle Stimme verfügt, die in einigen Momenten recht stark an Eric Martin (Ex-Mr. Big) erinnert. Mit der folgenden soullastigen Nummer „Faith“, die sich im fast schon balladesken Bereich bewegt, kommt seine Stimme noch besser zum Ausdruck und zeigt auch, dass er mit Arian Schierbaum (Keyboards), Virgil McKoy (Bass) und Franklin Vanderbilt (Drums & Percussion) über eine ausgezeichnete Band verfügt, die sämtliche Spielarten des Meisters beherrscht. Die folgenden Songs sind nahezu alle im ähnlichen Stil wie das bereits erwähnte „Go Faster“ angesiedelt und man kann keinen einzigen Ausfall feststellen. Das ZZ-Top lastige „Can You Feel It“ schließlich beendet das eigentliche Album, bevor wir mit der Demo-Version von „Drift“ noch in den Genuss eines europäischen Bonustracks gelangen. Das ganze Album kommt mit so einer Lässigkeit rüber, dass es eine wahre Freude ist, ihm andächtig zu lauschen. Da Richie Kotzen auch nicht zu den Gitarren-Helden gehört, die ihr Können immer wieder mit ausgedehnten Frickeleien unter Beweis zu stellen, macht es das Album noch ein wenig sympathischer. Wer also auf ein Album mit reichlich Blues- und Soulfeeling gewartet hat, kann hier absolut nicht falsch machen. Das Album gehört mit Sicherheit zu einem der besten in Richie Kotzens Karriere. Wer hier nicht zugreift ist selber Schuld.
Fazit: Mit unglaublich viel Feeling gewürzte Blues und Soul Mischung.
Tracklist:
Lineup:
1. Go Faster
2. You Know That
3. Fooled Again
4. Faith
5. Bad Things
6. Dust
7. Chase It
8. Do It To Yourself
9. You’re Crazy
10. Feed My Head
11. Can You Feel It
12. Drift (Euro Bonus Track)
9.0 Punkte von Christoph (am 17.10.2007)
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musikalischer Background des Verfassers Melodicrock allgemein, AOR, True Metal, Prog-Metal
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