Was in aller Welt ist "Sludge Metal" ? - Habe ich da was verpaßt ? - Kann mir da bitte jemand weiterhelfen ?
Nun ja ... hören wir uns die Mucke der Eidgenossen mit dem seltsamen osteuropäischen Namen erstmal an ...
Bereits bei den ersten Tönen, welche uns das Trio aus Basel kredenzt, und die zähflüssig und ultrafett aus den Boxen herausquillen, wird klar, daß ZATOKREV sich vornehmlich dem klassischen Doom Metal verschrieben haben und diesen mit allerlei Zutaten aus anderen Metalstilen aupeppen.
Das brüchige Organ von Frederk weiß ebenso auf Anhieb zu gefallen, wie die wuchtige, sich im Midttempobereich befindliche Gitarrenwand. Die Rhythmusmaschine ist fett, einfach nur fett ... und so steht einem mehr als 70-minütigen psychedelischen Doom-Trip nichts mehr im Wege ... wenn ich Wasserpfeife rauchen würde, dann wäre jetzt der richtige Zeitpunkt dafür, aber so muß es eben ein schöner Islay Single Malt tun ...
... denn ich bin bereits völlig gefangen im Mælstrom des ersten und Titelstückes, dessen hypnotischer Drive mich fesselt und vollends fasziniert !
'Starlight Leader' ist deutlich langsamer, aber so unglaublich uuuuuuultraheavy !!! - Das erinnert mich - rotglühende Lavabäche laufen mir den Rücken hinunter - an meine heiße Doom-Phase Anfang der 90er, als ich ständig CANDLEMASS und SOLITUDE AETURNUS gehört habe ... Zum Ende dieses Tracks kommt die schmiedeeiserne Maschinerie fast völlig zum Stehen, bis sie sich alles niederwalzend auf breiter Front noch einmal in Bewegung setzt ...
'Void' ist dann wieder etwas flotter, aber ebenfall einfach nur fett und heavy, einfach nur heavy !
Mit dem Stück 'Godless' bahnen sich ZATOKREV endgültig den magmageschwärzten Tunnel direkt in das anthrazitschwarze Herz des Doom-Metal-Maniacs ... markerschütternde Schreie hallen über die leblose ausgedörrte Ebene ... einige dürre Staubhexen wirbeln durch die Szenerie, auf der Flucht vor dem alles niederwalzenden Feuersturm, der sich vom Horizont her unaufhaltsam nähert ... vielleicht sollte ich doch Wasserpfeife rauchen ...
Das mit an uralte Schamanentrommeln gemahnende Drumming beginnende 'Trial' setzt dann an Heaviness sogar noch einen drauf - selten bin ich so gepflegt von einer Dampfwalze überrollt worden und habe mich danach so gut gefühlt !
Der Papst hat ja jetzt die Vorhölle abgeschafft, aber ZATOKREV denken gar nicht daran, sondern feiern dort mit abgezogener Haut eine schwüle Party ('Peeling Skin').
Was wäre jedoch eine Vorhölle ohne das ganze Paket, das volle Programm ? - Richtig ! - Mit dem finalen, längsten und vielleicht besten, weil intensivsten Stück endet dieser superbe Silberling und wir überschreiten mit 'The Fire' endgültig und unwiderruflich die lodernden Pforten der Hölle ...
"Bury The Ashes" ist der ultimative Soundtrack zum jüngsten Tag !
Die Stücke sind im Schnitt mehr als 10 Minuten lang, werden aber durch geschickte Tempiwechsel und abwechslungsreichen Songaufbau nie langweilig, auch nach etlichen Durchläufen nicht, denn bei dieser großen Detailverliebtheit und den durchweg intelligent und vielschichtig gewebten Songstrukturen gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken.
Fazit: ZATOKREV haben mit "Bury The Ashes" ein äußerst intensives und erfrischend modernes Stück Doom Metal geschmiedet, welches wirklich überrascht, augenblicklich hypnotisiert und sich noch oft in meinem CD-Schacht drehen wird - 9 Punkte.
Tracklist:
Lineup:
1. Bury The Ashes
2. Starlight Leader
3. Void
4. Godless
5. Trial
6. Peeling Skin
7. The Fire