Keine Frage: Bands aus dem sehr weitläufigen Bereich des Gothic/Dark Wave in einem reinen Metal-Magazin zu besprechen, ist immer eine etwas zweischneidige Angelegenheit. Mit dem Gedanken im Hinterkopf, für ein vordergründig auf Metal ausgerichtetes Publikum zu schreiben, muss bei Benotung dieses Reviews unbedingt angemerkt werden, dass hier nur musikalische Kost für die Aufgeschlossenen unter uns dargeboten wird. Diese aber werden an vorliegender Scheibe ihre helle Freude haben.
Auf der Liste der unnötigsten Dinge der Gothic-Szene würde ganz oben wohl der Punkt rangieren, der das Vorstellen der Institution Das Ich empfiehlt. Seit 1989 aktiv, haben Stefan Ackermann und Bruno Kramm die Gothic-Bewegung so nachhaltig geprägt wie beinahe keine andere Band und kaum ist die „Lava“ erstarrt, laden sie bereits zum „Cabaret“. Theatralische Melodiebögen, ein Akkordeon, bedrohliche Bläser und ausgefallene Elektronik bestimmen den Titeltrack, der uns pompös, dunkel und in sich anmutig und wunderschön aus dem Das Ich-„Cabaret“ geleitet, nachdem sie den Gast zuvor eine Stunde lang bestens unterhalten haben: Geradlinig-Stampfendes wie der potentielle Destillat-Nachfolger „Opferzeit“, die bizarre Jahrmarkt-Atmosphäre des Openers „Moritat“ oder „Macht“, ein Lehrstück in Sachen vielschichtiger, dunkler Musikkunst, Cabaret verzaubert, überrascht und fordert auf zum Tanz. Ganz klar, Das Ich haben Geschichte geschrieben und das Beste daran ist, dass sie damit noch nicht aufgehört haben. „Cabaret“ portraitiert das deutsche Szene-Urgestein von ihrer stärksten Seite, bietet düster-besinnliches, wütend-anklagendes, elektronisch wummerndes und theatralisch, ja beinahe neoklassisch ausgefeiltes Liedgut allerhöchster Güte, gleichermaßen eingängig wie anspruchsvoll, vielschichtig wie sofort zündend. So tretet ein ins Cabaret, sperrt eure Augen und Ohren auf und lauscht andächtig den Propheten!
8.5 Punkte von Björn Springorum (am 06.04.2006)
Deine Meinung ist gefragt:
Druckversion des Artikels:
Artikel an Kumpel versenden:
musikalischer Background des Verfassers Ganz klar aus dem frostig-kalten Black Metal kommend, jedoch ist eine starke Tendenz zu elektronischen Klängen harscher Natur und folkigen Klängen überaus sanfter Natur zu erkennen...fügt man nun noch eine Prise Yann Tiersen dazu...voila!
X Aktuelle Top6
1. Keep Of Kalessin "Kolossus"
2. Dornenreich "In Luft geritzt"
3. Moonsorrow "Tulimyrsky"
4. Alghazanth "Wreath Of Thevetat"
5. Coldworld "Melancholie2"
6. Häive "Mieli Maasa"
X Alltime-Klassix Top6
1. Dornenreich "Her von welken Nächten"
2. Burzum "Hvis Lyset Tar Oss"
3. Summoning "Dol Guldur"
4. Ulver "Bergtatt"
5. In Flames "Reroute To Remain"
6. Yann Tiersen "Die fabelhafte Welt der Amelie"
[ Seit dem 06.04.06 wurde der Artikel 3810 mal gelesen ]