Elvenking tummeln sich bereits seit ihrem famosen Debüt „Heathenreel“ in meiner Plattensammlung und gehören dort sicher zu den Kuriositäten. Wenige Bands im Bereich des melodischen Power Metal können eine derartige Eigenständigkeit aufweisen, vor allen Dingen dann nicht, wenn sie aus Italien kommen. Die fünf Herren mit den dämlichen Pseudonymen Damagoras (v), Aydan (g), Gorlan (b) Elyghen (k, violin) und Zender (d) heben sich sehr positiv aus dem symphonisch melodischen Einheitsbrei aus dem Lande des Stiefels hervor. Dies gelingt ihnen durch eine sehr abgefahrene Mischung aus typisch südländischem Melodic Power Metal und Folk Musik. Die wird auf einem derart anspruchsvollen Niveau vorgetragen, dass man Elvenking durchaus auch Progressive Metal Tendenzen unterstellen darf. Die größtenteils sehr folkigen Gesangslinien werden mit typischen True Metal Melodieführungen angereichert. So entsteht der eigentümliche Elvenking Stil, den ich in dieser Form noch von keiner anderen Band gehört habe. Manchmal wirkt die Musik dadurch etwas überladen und sehr hektisch. Der Zuhörer wird auf jeden Fall gefordert. Wenn ich mir die potentiellen Zielgruppen der Italiener so anschaue, könnte ich mir denken, dass der ein oder andere Fan auch überfordert wird. Die Band wurde bereits 1997 ins Leben gerufen, und die einzelnen Akteure verstehen ganz eindeutig etwas von ihrem Handwerk. Das scheinen sie sehr gern zu zeigen, und so entsteht eine sehr anspruchsvolle Musik, deren größtenteils rasende Geschwindigkeit ein stets aufmerksames Ohr erfordert. In den Kompositionen von „The winter wake“ werden gute Ideen mit der Regelmäßigkeit eines Maschinengewehrs verfeuert, so dass man beim Hören der Scheibe ständig am Ball bleiben muss. Die Italiener haben mit Belanglosigkeiten nichts am Hut, schreiben für den Kopfhörer und für ihre ganz persönliche Liebe zur Musik. Dennoch sind die Kollegen als Musiker eindeutig gereift, und so sind die Songs auf „The winter wake“ nachvollziehbarer als auf den beiden Vorgängern. An das Debüt erinnere ich mich nämlich als eine total abgefahrene Scheibe, von der höchstens drei Stücke mehrfach hörbar waren. Alle anderen Tracks wirkten viel zu zerfahren. Die drei hörbaren Stücke waren dafür echte Juwelen. Auf „The winter wake“ ist es Elvenking gelungen, die Juwelendichte deutlich zu erhöhen. Hört mal rein in solche Kracher wie „The wanderer“, den Titelsong oder das sehr komplexe, protzig pompöse „Neverending nights“. Leider hatte ich noch nicht das Vergnügen, diese Jungs live zu erleben. Vielleicht wird das im nächsten Festival Sommer was. Ich möchte gern mal schauen, ob sie auf der Bühne die gleiche unbändige Energie versprühen wie auf dem vorliegenden Album. Wenn es euch gelingt, das alberne Fantasy Image der Band zu tolerieren oder zu ignorieren, könnt ihr euch vielleicht den Weg zu einer sehr interessanten Musik erschließen. Bei Fans, die es gern schnell, melodisch und anspruchsvoll mögen und die sich zudem vor folkigen Elementen nicht fürchten, wird „The winter wake“ für ein breites Grinsen in der Hackfresse sorgen. Wer immer noch nicht begriffen hat, wie die Musik von Elvenking klingt, der schnappe sich drei Stereoanlagen, lege jeweils eine Scheibe von Stratovarius, Symphony X und Fintroll ein und drücke auf „play all“.
7.5 Punkte von Christian (am 03.03.2006)
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musikalischer Background des Verfassers Maiden, Epic Viking Metal, Doom Metal, True Metal, Heavy Metal, Power Metal, Old School US Metal, 80ies Thrash
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