Gitarre spielen kann Thorsten Koehne zweifellos. Das zeigt er viel und gerne, doch leider zeigt er zu wenig anderes. Er tritt zusammen mit dem Bassisten Keisuke Nishimoto und dem Schlagzeuger Frank Kraus an, um gitarren- und technikorientierten Metal in der Tradition von Joe Satriani und Racer X zu spielen. Über weite Strecken besteht die Musik ausschließlich aus Metal-Gitarren, die vom solidem, aber untergehenden Bass und vom zwar schnellen, aber zu sehr auf Standards beschränktem Schlagzeug begleitet werden.
Für die drei Songs Miracle Times, Walking On Thin Ice und Superwoman haben sie den Sänger Carsten Lizard Schulz hinzugezogen, der als Retro-Rock-Röhre eine gute Figur macht. Der bei einigen Songs mitspielende Keyboarder Ferdy Doemberg geht oft unter, weil die Jungs schon eine einfache Rhythmusgitarre lauter abmischen als seine Orgel- und Pianoparts.
Selbst die Ballade Hearts In Atlantis wird von Anfang bis zum Ende komplett mit E-Gitarren zugekleistert, meist sogar zweistimmig gespielt. Gerade mal ein Dutzend Klaviertöne bringt Koehne unter. Etwas mehr Bass und Schlagzeug gibts bei Underneath A Blue Kiss, weil Koehne jetzt mal die etwas leiseren Akustikgitarren auspackt.
Besser funktionieren die im 80er-Hardrock angesiedelte Walking On Thin Ice und Superwoman, weil dort Gesang und Orgel mehr Platz zum Atmen bekommen, plötzlich klingen die Jungs nach einer Band. Schon während der Gitarrensolos wurde die Orgel aber dann wieder zurückgenommen; und insgesamt sinds dann doch nur Retro-Standards, die auch von irgendeiner vergessenen Van-Halen-Scheibe stammen könnten.
Über lange Strecken klingen die Songs konstruiert, seelenlos, nach einem Lehrbuch für Metal (immerhin nach dem Kapitel für Fortgeschrittene) oder nach einer Diplomprüfung im Gitarrenspiel. Koehnes Gitarre klingt trotzig, als wolle keiner mit ihm spielen und er müsse nun alles alleine machen. Doch eine gute Gitarrenarbeit macht keine guten Songs. Dem Schlagzeug widmen die Jungs zu wenig Aufmerksamkeit: Bei Polka Beast Stampede darf es ja noch stampfend monoton klingen, aber den Polkarhythmus hört man bei anderen Songs ebenfalls. Das Songwriting bleibt unflexibel, die einzige Spannung besteht darin, mit welcher seiner Gitarren Koehne nach einem Break weiter spielt. Die Schemen des klassischen Metals verlässt er jedoch nie. Wem praktisch ausschließlich von Gitarren getragen Metal gefällt, wer also Satriani oder Steve Vai etwas abgewinnen kann, der sollte reinhören. Wer jedoch mehr erwartet, als eine endlose und dadurch ermüdende Folge von Gitarrensoli, der braucht andere Bands.
4.0 Punkte von kacior (am 26.02.2006)
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musikalischer Background des Verfassers Progressive Metal, Heavy Metal, Melodic Metal, bisschen Gothic/Dark, aber auch ProgRock, Emo
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