Bilocate kommen aus Jordanien und wurden 2003 von den Brüdern Ramzi und Waseem Essayed ins Leben gerufen. Sie gehören zu den wenigen Bands aus ihrem Land die es wirklich schaffen live zu spielen und im Studio aufzunehmen. 2005 nahm man das erste Album „Dysphoria“ auf. 2008 folgte dann der Zweitling „Sudden Death Syndrome“, welches als Jordanien Album erschien und international auf sich aufmerksam machte. Es wurde über das in Dubai ansässige Label Daxar Multimedia veröffentlicht, welches für den ganzen Nahen und Mittleren Osten und den Ägyptischen Raum den Vertrieb managet. Das Album erhielt durchweg positive bis großartige Resonanzen und wurde gar unter die Top 10 des Jahres 2008 beim Metal Storm Magazine und in die ewige Bestenliste beim Metal Sucks Magazine aufgenommen. Live begibt man sich hauptsächlich außerhalb Jordaniens, was der politischen und religiösen Struktur des Landes zu schulden ist. Die Band hat in Ägypten, dem Libanon, derTürkei (UniRock Festival), den Vereinigte Arabische Emiraten, Litauen (Devilstone Open Air) und Deutschland (Wave Gotik Treffen Festival) gespielt und teilte die Bühne mit vielen internationalen Metal-Größen wie Sepultura, Anathema, Amon Amarth, Katatonia, Paradise Lost und Melechesh. Seit Ende 2011 hat man nur beim kleinen und feinen Italienischen Label code666 einen Vertrag unterschrieben und veröffentlicht unter diesem Banner das dritte Album „Summoning The Bygones“.
Zu hören bekommen wir laut Label Dark Oriental Metal. Wieder so eine Genre Bezeichnung der ich nichts abgewinnen kann. Wie dem auch sei, den Orientalen Touch bekommt man gleich bei den ersten Tönen des Openers „The Tragedy Within“ zu hören und auch in den anderen neun Stücken bleiben diese Klänge ein Teil der Songs, was natürlich eine gewisse Logik hat, wenn man aus einem Land wie Jordanien kommt. Hauptsächlich hat das Album aber eine eher progressive Ausrichtung und auch die Länge der Songs ist dementsprechend.
So pendelt man zwischen knapp 4 ½ und 10 ¼ Minuten und weiß diese Längen sehr variabel zu gestallten. Gesanglich begibt man sich in eine Death Metal lastige Richtung und Growlt hauptsächlich, nur selten gibt man klare Töne von sich. Allerdings reichen auch diese für genügend Abwechslung bei den Vocals. Auch gibt es immer wieder Post Metallische Momente auf dem Album, welche vor allem in der längeren Nummer schön zu tragen kommen. Direkt beim ersten Durchlauf ist mir die Vielseitigkeit der Band aufgefallen. Hier wird wirklich alles geboten; extreme Härte, vertrackte Elemente, Melodie und dunkle Atmosphäre, aber auch filigrane Streicher und fast zerbrechlich wirkende Post Musikalische Parts. Selbst der ein oder andere Doom Moment ist hier zu vernehmen.
Neben den Gitarren und den Drums ist das Keyboard ein tragendes Element, kleistert die Musik aber in keiner Sekunde zu. Auf diesem Album einen Song besonders hervorzuheben fällt wirklich schwer, da jeder seine Momente hat. Erwähnen möchte ich aber das gelungene Pardise Lost Cover „Dead Emotion“ was die Jungs wirklich gut rüber bringen. Das Album ist auch keines was man auflegt und sofort sagt „wow“. Diese Musik ist sehr komplex und man kann nicht mal eben im Mediamarkt ein paar Songschnipsel hören und dann wissen ob man es kauft. Diese Music will erforscht werden. Ich habe das Album jetzt schätzungsweise 10 Mal durchlaufen lassen(natürlich nicht am Stück :) ), was bei fast 73 Minuten Album Länge eine Menge Zeit ist, und entdecke immer noch kleine Feinheiten die mir bis dahin noch nicht aufgefallen waren. Genauso gut wie die Musik und Versiertheit der Musiker ist die Produktion des Ganzen. Alles kommt gut zur Geltung und das Verhältnis zwischen Druckvoll und zerbrechlich ist nahezu perfekt. Vorgenommen hat diese, genau wie den Mix, kein geringerer als Jens Bogren, welcher auch für Alben von Opeth, Katatonia und Amon Amarth verantwortlich zeichnet. Als Gast Musiker ist übrigens Dan Swanö(u.a. Edge Of Sanity, Nightingale, Katatonia und Bloodbath) auf dem Album vertreten.
Fazit: Bilocate haben mit ihrem Album „Summoning The Bygones“ wohl das berühmt, berüchtigte und wegweisende dritte Album abgeliefert. Vielschichtige, emotionale, Atmosphärische und zerbrechliche, aber auch zugleich harte, aggressive und dunkle Musik in einem Post-, progressivem Metalgewand verpackt und mit leichtem Doom und Oriental Touch versehen. Für offene Geister wärmstens zu empfehlen, Puristen Finger weg. 8,5/10 Punkte
Anspieltipp: schwer, deshalb hier miene Favoriten; The Tragedy Within, A Deadly Path, Hypia
Dysphoria(Demo) – 2003
Dysphoria – 2005
Sudden Death Syndrome – 2008
Summoning The Bygones – 2012
Lineup:
Ramzi Essayed – Vocals
Rami Haikal – Rhythm Guitars
Baha Farah – Lead Guitars
Hani Al-Abadi – Bass
Waseem Essayed – Keys
Ahmad Loub – Drums
Guest Musician:
Dan Swanö (u.a. Edge Of Sanity, Nightingale, Katatonia und Bloodbath)
Tracklist:
Lineup:
01. The Tragedy Within
02. Beyond Inner Sleep
03. A Deadly Path
04. Passage
05. Dead Emotion(Paradise Lost Cover)
06. Hypia(feat. Dan Swanö)
07. 2nd War In Heaven
08. A Desire To Leave - (feat. Dan Swanö)
I Obscurity
II Surrounding Hell
III …of Leaving
8.5 Punkte von gelal (am 04.06.2012)
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