Ein schönes, bedeutungsschweres Thema haben sich die Schweden von IN MOURNING für ihr drittes Album einfallen lassen. „The Weight of Oceans“ macht schon allein durch das Meeresungeheuer auf dem mythischen dunkelblau-düsteren Cover mächtig Eindruck. Abwechslungsreicher Melodic Death wird hier gespielt, wobei der Schwerpunkt eindeutig auf Melodic und (bis auf den Gesang) nicht so sehr auf Death liegt. Melancholisch und sphärisch mit ausgeprägter Prog-Schlagseite und Doom-Elementen, wobei einzelne Passagen dieser Kreation an Bands wie Opeth, Swallow the Sun oder alte Amorphis denken lassen.
Ich hab erst ´ne Weile gebraucht, um mit diesem Album richtig warmzuwerden. Aber irgendwann packte es zu, und hört jetzt einfach nicht mehr auf, in heavy rotation aus der Anlage (und wenn nicht dort, dann weiter im Kopf) zu laufen. Die Musik rauscht tatsächlich dahin wie ein wechselhafter Tag auf hoher See, die Klänge ziehen vorbei wie mal ruhige, mal dramatisch aufgetürmte Wassermassen.
Der Opener „Colossus“ zählt gleich zu den stärksten Stücken, schon das lange, sphärische (über 2 Minuten!) Intro, dessen Soundteppich noch nichts davon durchblicken lässt was gleich folgt, ist sehr gelungen. Wirklich stark, voller Höhen und Tiefen und toller Melodien. Der Gesang erinnert im Refrain sogar etwas an Children of Bodom. Weiteres Highlight ist das ruhige, komplett klar gesungene „Celestial Tear“, das hier schon durch seine Einheitlichkeit im Stil aus dem Rahmen fällt. Sehr beeindruckend auch „A Vow to Conquer the Ocean“ oder „The Drowning Sun“. Am tiefen, satten Sound gibt es nichts zu meckern, passt einfach und ist manchmal (wie unter Wasser) leicht schwingend- zum Beispiel in den doomigen Passagen von „Convergence“.
Nicht alle Songs wissen sofort zu fesseln. Die vielen wechselnden Parts machen es nicht leicht, dem Ganzen zu folgen, auf den ersten Blick wirkt so einiges beliebig oder sprunghaft. Bei näherem Hinhören macht aber doch alles Sinn, baut aufeinander auf, steigert sich, fließt weg, wird wieder eingefangen- das passt in seiner Art nunmal auch einfach zum Ozean. Der tonnenschwere Schlusssong „Voyage of a wavering mind“ wäre für sich allein genommen nicht sehr spektakulär, könnte als Abschluss dieses Tauchgangs aber nicht besser sein.
Genießen kann man dieses spannende Album jedenfalls von vorn bis hinten, auch wenn noch ein kleiner Tropfen Steigerung möglich wäre, um es absolut genial zu machen. Einen Vergleich zu den letzten beiden Alben kann ich nicht ziehen, aber für die Zukunft könnten IN MOURNING auch gut ihre starke melancholisch-atmosphärische Seite weiter ausbauen (Melodic Doom?), um noch mehr an Tiefenwirkung dazuzugewinnen. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, für welches Element sie sich beim nächsten Mal entscheiden...
Also: Nicht nur für das wunderbare „Colossus“ und „Celestial Tear“, sowie die vielen wunderschönen Melodien und einfallsreichen Passagen hat dieses Album runde 8 Punkte verdient. Wer dieses Genre sowieso mag, der möge bedenkenlos zugreifen. Ansonsten kann ich nur empfehlen, sich hierfür Zeit zu nehmen (die braucht es!) und ein Ohr zu riskieren. Wen es packt, den lässt „The Weight of Oceans“ nicht mehr los.
Anspieltips: „Colossus“, „Celestial Tear“, „From a Tidal Sleep“, „The Drowning Sun“
Tracklist:
Lineup:
1. Colossus
2. A Vow to Conquer the Ocean
3. From a Tidal Sleep
4. Celestial Tear
5. Convergence
6. Sirens
7. Isle of Solace
8. The Drowning Sun
9. Voyage of a Wavering Mind
musikalischer Background des Verfassers Gothic-, Death-, Doommetal, Rock´n´Roll, 70s...und was mich sonst bewegt von J.S. Bach bis Blackmetal.
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