Spock’s Beard schicken ihr viertes Live-Video ins Rennen. Nachdem mich die letzte Live-Platte, Gluttons For Punishment doch ziemlich enttäuschte, war ich skeptisch. Zugegeben, komme ich mir selbst wie ein Ewig-Gestriger vor, nach über einer halben Dekade noch immer einen übermächtigen Schatten von Neal Morse über Spock’s Beard liegen zu sehen; doch kann ich nicht aus meiner Haut. Die Präsenz von Neal wird nie schwinden können, aber schon mit ihrem letzten Album haben sich SB wenigstens ein Stück weiter freischwimmen können. Und das neue, schlicht Live betitelte Video schlägt diese Kerbe erfreulicher Weise noch tiefer.
Live wurde am 25. Mai 2007 im holländischen Zoetermeer mitgeschnitten. Die Songauswahl liegt schwerpunktmäßig auf Material des aktuellen Albums, dessen geniales Opening-Duo On A Perfect Day und Skeletons At The Feast Verwendung finden, sowie der Longtrack As Far As The Mind Can See, der Rausschmeißer Rearranged und das ruhige The Slow Crash Landing Man, bei welchem sich der Klimax unglaublich berauschend entfaltet; Alan Morse spielt wahnsinnig einfühlsam Gitarre. Hinzu kommen Songs aus der restlichen Schaffungsperiode, lediglich Snow wird ausgeklammert. Die Qualität stimmt auf allen Ebenen. Der Sound ist rund und warm (den 5.1 Mix ausgeklammert), die Band spielfreudig wie eh und je und die Lieder stecken weiterhin voller herrlichster Details, dezenten Soundspielereien und dicker Soundwände. Technisch agiert die Band brillant und mit großer Leichtigkeit. Höhepunkte gibt es Zuhauf, wie das tolle Drum Duel zwischen Nick D’Virgilio und Jimmy Keegan und ganz besonders das, immerhin 10 Minuten lang angerissene, The Water, mit seinen freien Jazzparts, die für gute Abwechslung von der Studioversion sorgen (Dennoch wäre es ein Traum, diese Nummer mal wieder in Gänze live hören zu dürfen). Nick konnte seine Gesangsleistung nochmals stark verbessern; kleiner Wermutstropfen: Seine Gestik und Mimik ist sehr Neal beeinflusst, was dessen Geisterpräsenz nicht eben mindert. Mit den Albereien übertreiben es die Jungs sowieso ein wenig. Meiner Meinung nach nimmt das Übermaß an Faxen und Selbstbeweihräucherung den Titeln ein wenig die Würde, aber das mag Geschmackssache sein. Positiv ist zu verzeichnen, dass Rio in seinem Solo auf die dicke Angus Nummer verzichtet; er beschränkt sich auf eine einfühlsame Pianonummer, die einen schönen Kontrapunkt zum eher freakigen Restprogramm setzt.
Die Extras auf der DVD sind klein aber fein und eigentlich nur im Singular. Es handelt sich um eine 13minütige Bildershow, in der chronologisch alle Studioalben musikalisch angerissen werden, wozu Albumcover und Bandfotos aus dem jeweiligen Schaffensraum gezeigt werden; wirklich sehr gelungen.
Alle Progfans dürfen bei diesem Video bedenkenlos zuschlagen. Das knapp über zwei Stunden gehende Konzert bietet beste Unterhaltung einer beeindruckend agierenden Band, die immer noch sehr lebendig ist. Wer keinen Wert auf das Visuelle legt, kann sich das komplette Konzert mit allen 19 Tracks auch als Doppel-CD zulegen.
Tracklist:
Lineup:
01. Intro (Live)
02. On A Perfect Day (Live)
03. In The Mouth Of Madness (Live)
04. Crack The Big Sky (Live)
05. The Slow Crash Landing Man (Live)
06. Return To Whatever (Live)
07. Surfing Down The Avalanche (Live)
08. Thoughts - Part 2 (Live)
09. Drum Duel (Live)
10. Skeletons At The Feast (Live)
11. Walking On The Wind (Live)
12. Hereafter - Ryo Solo (Live)
13. As Far As The Mind Can See: Part One (Live)
14. As Far As The Mind Can See: Part Two (Live)
15. As Far As The Mind Can See: Part Three (Live)
16. As Far As The Mind Can See: Part Four (Live)
17. Rearranged (Live)
18. The Water - Medley (Live)
19. Go The Way You Go - Medley (Live)
musikalischer Background des Verfassers Hauptsächlich Metal und 60er/70er Jahre Rock. Daneben alles Mögliche (z.B. EBM, Soundtracks, Folk, diversen Jazz Kram & Krautrock) und manches Unmögliche (z.B. Aqua, Madonna, Torfrock, Björk & Doris Day).
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