Wenn ich mich daran mache, die aktuelle Scheibe „Southern Born Killers“ der Crossover-Urgesteine Stuck Mojo zu besprechen, könnte man schon fast von der Rezension eines Re-Releases sprechen, denn eigentlich ist die Scheibe bereits vor ca. einem Jahr erschienen.
Nach der großartigen Reunion-Tour im Jahre 2005 hatte die Band wieder Blut geleckt und spielte unter Leitung von Andy Sneap den neuen Longplayer ein, welche aber, nach den sehr schlechten Label-Erfahrungen Rich Wards und seiner Mannen, komplett kostenfrei (!) in guter Qualität zum Download bereitgestellt wurde. Wer zu der aussterbenden Art der Leute gehörte, die immer noch gerne ein Album mit allem Drum und Dran in der Hand halten, wurde zudem die Möglichkeit angeboten, die gepresste Scheibe mit Bonus-DVD und signiert (!) zum Normalpreis (!!) bei der Band zu ordern. Hier wird ganz schnell klar, dass es sich nicht um das große Geld, sondern Begeisterung für Musik und vor allem Fanfreundlichkeit dreht, was heute mehr denn je unterstützenswert ist. Ein Jahr nach dieser ganzen eigenkontrollierten Aktion, gesteuert aus der Homebase in den USA, macht man sich nun mit der offiziellen Veröffentlichung via Napalm Records und einer anstehenden neuen Tour daran, Europa (wieder) zu erobern. Werfen wir also einen Blick auf diesen musikalischen Handkantenschlag namens „Southern Born Killers“.
Geboten wird aus dem Hause Stuck Mojo immer noch astreiner Crossover aus markanten Rap-Vocals und dem typischen Cocktail aus Southern Rock und knallendem Metal. Das hat bereits funktioniert als Stuck Mojo damals mehr oder weniger im Alleingang den Crossover erfanden und funktioniert auch heute noch, denn die Band stellt einmal mehr unter Beweis, dass Qualität und Leidenschaft über Trends siegt!
Obwohl auch am Bass und hinter den Drums neue Gesichter auftauchen, ist die größte musikalische Veränderung jedoch im Bereich des Gesangs zu vermerken, der inzwischen von Lord Nelson übernommen wurde, da sein Vorgänger Bonz einfach nicht die Finger von den Drogen lassen wollte und daher den Hut (bzw. die Wollmütze) nehmen musste. Doch selbst diese doch recht schwerwiegende Veränderung hat Stuck Mojo sogar noch gut getan: Lord Nelson rappt sich sicher und gekonnt durch die zehn Songs des Albums und übernimmt stellenweise sogar mal melodische Gesangsparts. Seine Stimme ist angenehm tiefer als die von Bonz, fügt sich unaufdringlich in die Lieder ein und ist damit eine klasse Ergänzung zu dem teils wunderbar cleanen, teils aggressiv geshoutetem Gesang von Band-Mastermind Rich ‚The Duke’ Ward.
Auf der textlichen Ebene lässt sich für „Southern Born Killers“ ganz klar festhalten, dass Stuck Mojo wieder mal verdammt wütend sind und keinen Hehl daraus machen, dass sie waschechte amerikanische Südstaatler sind: Hier ist man stolz, Amerikaner („I’m American“), bzw. Südstaatler („Southern Born Killers“) zu sein und schimpft auf fanatische Jihad-Islamisten („Open Season“).
Das ist aber noch nicht alles, denn entgegen der gängigen Südstaatler-Clichés macht man sich auch Sorgen um die Umwelt („The Sky is Falling“) und schreibt auch ein Liebeslied an die Fans („Home“). Schließlich bekommt sogar noch die aktuelle, bzw. moderne Metal- und Rapszene einen kräftigen verbalen Schlag in die Fresse („Metal is dead“).
Das alles muß man nicht mögen, man kann es für richtig oder falsch, unüberlegt oder weise halten, eins ist jedoch sicher: Diese Texte sind ehrlich und gerade heraus und das ist eine Haltung, der zumindest Respekt gebührt.
Zusammengefasst offenbart sich auf „Southern Born Killers“ also die wahre Kunst der Südstaatler: Wenn geniale Hooks und Killerriffs in den Strophen auf Rap und in den Refrains auf wunderbar eingängige, klar gesungene Melodien treffen, wenn sich eingespielte Samples, aggressive Vocals, Hammondorgel und Gospelchöre von Song zu Song die Klinke in die Hand geben, dann ist das wild, mitreissend, keineswegs altbacken und die Quintessenz von Stuck Mojo.
Wer jetzt hoffentlich interessiert ist, darf gerne (abgesehen von dem unspektakulären „Yoko“ und den melodramatischen und in meinen Augen unnötigen Zwischentracks „For the Cause of Allah“ und „Prelude to Anger“) das gesamte Album als Anspieltipp betrachten.
Übrigens: Die Napalm-Veröffentlichung reizt besonders durch drei bisher unveröffentlichte Bonustracks, die auf der Promo-CD leider nicht enthalten sind, vermutlich aber keinen Deut hinter den regulären Albumtracks zurückstehen werden und somit ein zusätzliches Kaufargument darstellen!
Tracklist:
Lineup:
1. I'm American
2. Southern Born Killers
3. The Sky is falling
4. Metal is dead
5. For the Cause of Allah
6. Open Season
7. Prelude to Anger
8. That's when I burn
9. Yoko
10. Home
musikalischer Background des Verfassers Prog Rock/Metal, Post Rock/Metal/Hardcore, Djent, Swedish/Melodic Death, Folklore/Neofolk, Black Metal, Neo-Thrash, Pagan Metal, Düster-Rock u.v.m.
X Aktuelle Top6
1. Soilwork "The Living Infinite"
2. Killswitch Engage "Disarm The Descent"
3. Wardruna "Yggdrasil"
4. Hexvessel "Iron Marsh"
5. Amenra "Mass V"
6. Steak Number Eight "The Hutch"
X Alltime-Klassix Top6
1. In Flames "Reroute To Remain"
2. Anathema "The Silent Enigma"
3. Porcupine Tree "Fear Of A Blank Planet"
4. Trivium "Shogun"
5. Tori Amos "Little Earthquakes"
6. Katatonia "Last Fair Deal Gone Down"
[ Seit dem 27.02.08 wurde der Artikel 4079 mal gelesen ]