Aus allen Himmelsrichtungen der Republik, Schweden und dem fernen St.Petersburg waren Wikinger und Heiden in den Essener Zeche Carl zusammengekommen, um in der früheren Schachtanlage Carl die „Ultima Ratio“ zu feiern.
Der ursprüngliche, sehr ehrgeizige Zeitplan der Veranstalter, Einlass um 17.45 und Beginn eine Viertelstunde später, war schon während des Soundchecks völlig aus den Rudern gelaufen und sollte sich in Laufe des Abends um bis zu zwei Stunden nach hinten verschieben. Das hatte natürlich zur Folge, dass alle Bands ihre Sets leider, leider merklich kürzen mussten. Vielleicht ergibt sich ja bei einer Neuauflage die Möglichkeit auf einen Samstag zu gehen und schon am frühen Nachmittag anzufangen. Oder aber es spielen weniger Bands, was ich persönlich in Anbetracht der Qualität dieser Nacht sehr schade fände. Denn abgesehen von dieser organisatorischen Kante und den etwas deftigen Getränkepreisen der Zeche, war ich als Besucher sehr zufrieden. Kein Vergleich zu der Witzveranstaltung in Hollfeld vor einigen Monaten: Ausreichende Parkkapazitäten, zurückhaltende Einlasskontrollen, kein sinnloses Gedränge, hervorragende Stimmung, keine Sturzbesoffenen und vor allem kein braunes Volk - die Message in Vorfeld, dass für Rassismus kein Platz auf diesem Festival ist, kam an. Kurzum: Sehr, sehr harmonisch. Das Wetter sorgte mit seinen angenehmen Temperaturen für beste Feierstimmung. Den Rest besorgten die acht ausnahmslos hervorragenden Bands. Vorweg also mein Dank an die Veranstalter, die Bands und das Publikum. Das Ultima Ratio muss auf jeden Fall schon bald in eine zweite Runde gehen.
Kurz vor sieben ging die Feier mit Crikey (auszusprechen wie Schreischlüssel und nicht Kricki) los. Wie ich nach der saustarken Mini-CD der Krefelder gehofft und es gewünscht habe, sorgte der Siebener mit Thrash-Shouter, Death-Grunzer, Keyborder und Violistin mit seinem „Sphere Metal“ gleich für die richtige Betriebstemperatur in der Zeche Carl. Man merkte sehr wohl, dass einer der heißesten deutschen Newcomer die Erfahrung seiner Bandmitglieder in die Wagschale werfen konnte: Guter Sound, ausgereifte Show und eben starkes Material. Kleinere Appetithappen vom ersten Album gab es auch schon. Mein lieber Scholli! Wenn das ganze Album die Güteklasse der vorgestellten Songs hat, dann werden Crikey wohl nur noch auf ganz großen Veranstaltungen den Opener spielen dürfen.
Ein sehr tricky Quicky von Crikey (ganz toller Reim, wenn man den Bandnamen falsch liest).
Helangår aus Süddeutschland traf ich bereits auf der Autobahn zum lustigen Gespräch im Stau vor Essen. Ein sympathischer Haufen, der – vielleicht auch durch den Stress der Anreise – nicht seinen besten Tag erwischt hatte. Ein sehr durchwachsener Sound und wenn man ehrlich ist: So richtig gepasst haben sie nicht ins Billing. Anspruchsvolle Songstrukturen sowie sehr dichte und ruhige Atmosphäre waren nicht für das Publikum und die Uhrzeit geschaffen. Hätte die Band vielleicht nach Thrudvangar oder Black Messiah gespielt, hätten wohl alle mehr vom Auftritt gehabt. Es ist einfach sehr schade gewesen, dass die Halle immer leerer geworden ist, obwohl Helangår mit Neusängerin Lisa wirklich tolles Songmaterial am Start haben.
Und das haben auch Thrudvangar aus Cöthen. Die Band bezeichnet sich selbst als Barden. Wenn man diesen Auftritt gesehen hat, kann man interpretieren warum. Barden waren bei den Kelten Sänger und Dichter mit einem besonderen und sehr angesehen Stand. Ihr Repertoire umfasste Kriegerisches und Rituelles. Den besonderen Stand in der Zeche erkämpften sich die Wikinger aus Anhalt mit einer mitreißenden Show und Songs, die prädestiniert sind für Live-Auftritte. Hymnisches wie „Die Drachen und der Runenstein“ funktioniert ebenso gut wie die „Piraten des Nordens“, ein Stück bei dem einfach jeder mitgrölen muss. Angeheizt durch die erste Runde Frei-Met für alle, kochte die Luft in der Zeche und die Temperaturen in der Halle stiegen mit jeder Minute. Hoffen wir, dass Thrudvangar öfter die Segel für eine große Fahrt setzten.
Damit es auch schön warm blieb, kam gleich den nächste Kracher hinterher: Die Ruhrpott-Wikinger und Lokalmatadoren Black Messiah . Sie luden ein gegen das Christentum zu wettern und mit heidnischem Herzblut zu feiern. Man merke der Band die Freude zu jeder Sekunde an. So leidenschaftlich vorgetragen, so leidenschaftlich wurde jeder der Songs vom Publikum begeistert gefeiert. Ein eindrucksvoller Beweis, wie stark das aktuelle Album „The Oath Of An Warrior“ mit Epen wie „Blutbruder“, „Riding The Drakkar“ oder „Christenfeid“ doch ist. In dieser Form ist der Besuch eines Konzertes bei Black Messiahs Europatour im September Pflicht. Großartig!
Einen heftigen Kontrast gab es dann mit Dorn. Optisch alleine schon deswegen, weil der Band zur Zeit ein Keyboarder fehlt und die auf „Suriel“ zu hörende Ira ebenfalls nicht dabei war. Folglich präsentierten sich die Potsdamer als Trio und die Bühne wirkte reichlich groß. Doch für den düsteren, kompakten Klang von Dorn bedarf es absolut keiner großen Show. Musik, die alleine durch ihre Töne wirkt und ihre ureigene Kraft ausstrahlt. Vielleicht fehlte es durch die nicht vorhandene weibliche Stimme etwas an der Abwechslung, die ich an „Suriel“ so mag. Trotzdem ein sehr starker Auftritt von Roberto, Michael und Sebastian.
Es grenzt schon an Unverschämtheit, dass auch die folgende Band keine Anstalten machte, von dem angsterregenden Qualitätslevel auch nur einen Deut abzurücken. Es wurde noch mal eine Schippe nachgelegt. Angefangen mit der zweiten Runde Gratis-Met, erzählten uns XIV Dark Centuries aus dem Süden Thüringens von alten Sagen, heidnischen Bräuchen und Lobpreisungen an Wotan. Die Bühnenshow wirkte durch das authentische Bandoutfit in jeder Hinsicht klasse. Hebet die Trinkhörner für die Horde. Dass es schon reichlich spät und einige bereits den Heimweg angetreten haben, tat der Stimmung natürlich keinen Abbruch. Wie auch, wenn reinster Pagan Metal mit viel Hang zur Melodie und altertümlichen Elementen auf dem Programm steht. Für mich war es auch die Gelegenheit dem Liedgut der neuen Mini-CD „Jul“ zum ersten Mal zu lauschen. Superb! Möge der Allvater auch in Zukunft die Klangkunst von XIV Dark Centuries beschützen.
Schon weit nach Mitternacht begann der internationale Teil der Feier: Månegarm. Vor nicht allzu langer Zeit galten die Schweden noch als Geheimtipp. Mittlerweile sind die Nordmänner zu einer festen Größe der Szene geworden. Die Band ist schon ungewöhnlich, wenn man nicht weiß, dass Erik Grawsiö nicht nur Drummer, sondern auch der Sänger der Band aus Norrtelje ist. So ungewöhnlich diese Konstellation nun mal ist, so überraschender ist auch die Tatsache, dass die Auftritte der Band funktionieren und die Stimmung auch ohne einen „richtigen“ Frontmann heftig kocht. Månegarm spielten einen illustren Querschnitt durch ihr bisheriges Schaffen und stellten u.a. mit „Sigrblot“ bereits einen geilen Song von „Vredens Tid“, das nun Ende September erscheinen soll, vor. Das Stück gibt es übrigens auch auf der Homepage zum Download.
Die Uhr zeigte bereits gen zwei, als es endlich soweit war: Nomans Land, die ich nach ihren beiden genialen Alben „The Last Son Of The Fjord“ und „Hammerfrost“ als eine der besten, wenn nicht zur Zeit sogar die beste Viking Metal Band halte. Es muss schon viele Sonnenwenden her sein, dass ich zum letzten Mal eine solche Spannung vor einem Gig verspürte. Das Live-Debüt der St.Petersburger außerhalb Russlands möchte ich nur zu gerne mit Superlativen ausschmücken. Die englisch Ansprachen funktionierten zawr überhaupt nicht, was auch kaum verwunderlich ist, wenn zwei Völkchen aufeinandertreffen, die weltweit die schlechteste englische Aussprache haben. Auch egal. Denn das, was zählt nennt sich „Hammerfrost“. Die Band ist großartig. Nomans Land ein Inbegriff für das perfekte Wikinger-Gefühl. Einfach nur hervorragend setzten die Russen ihre Meisterwerke in Szene und erhielten in Anbetracht der unchristlichen Urzeit (sic!) mächtige Reaktionen aus dem Publikum, das erfreulicherweise noch zahlreich anwesend war und mit einer neuerlichen Runde Met belohnt wurde. Nicht auszumalen, wie diese Band aufräumen wird, wenn sie zur besten Zeit auf der Bühne steht.
Ich wünsche mir nichts weiter, als dass diese Band so bald wie möglich wieder bei uns spielen wird. Und wird Euch jemals jemand fragen „Who are those five man?“, so hebt die Trinkhörner gen Himmel und antwortet: „They are the VIKING KINGS!“
Zufrieden zeigten sich auch Veranstalter und Bands, von denen neben bestätigenden Worten bis heuer noch Folgendes zu vernehmen war:
Predi (Veranstalter):
Zu der Verspätung: Ein Problem war ja, dass der Drucker der Backline-Firma schlapp gemacht und eine Zeile nicht ausgedruckt hat. Deswegen fehlten ein paar Teile. Die wurden aber noch geholt. Dann war da die Verspätung von Helangår. Wir hatten den Soundcheck eigentlich schon komplett abgeschossen, aber sie dennoch kurz testen lassen. Und die Russen waren irgendwie kurz einkaufen, als wir sie abholen wollten.
Die Preise wurden von der Zeche gemacht, da hatten wir leider keinen Zugriff :-(
Månegarm: The organization of the festival was very good. They took very good care about the bands with a constant flow of beer, food and drinks at the loge:) We in Månegarm and Nomans Land arrived a day earlier and were given a nice hotel. When we rested a little after the flight we (and Nomans Land) were taken to a nice rock pub (unfortunately I don’t seem to remember the name now), were they served us with drinks and great entertainment.
On the whole I must say it was a great festival to play in and the organizers were very funny people to hang around with. So we hope we can come back and play again sometime. Then we will bring our crazy violin player who unfortunately couldn’t make it this time. There were many people at the show who missed him and saw him when we played at the Ragnarök festival, but otherwise were very happy with our performance.
I would also like to add that we always have a great time visiting Germany and we look forward to the next time were playing there.
Regards
Jonas/Månegarm
Black Messiah / Surthur::
Das Festival hat uns allen von Black Messiah sehr gut gefallen. Der Veranstalter kam uns in gewissen Dingen auch sehr entgegen, was wir ihm hoch anrechnen. Immerhin durften wir unser eigenes Drumkit mitbringen, was ja einiges an zusätzlicher Organisation voraussetzte. Die Stimmung war super
und auch die anderen Bands waren alle gut drauf. Das merkte man ja auch an der Spielfreude. Der Veranstalter hat da was Großes geleistet und wir hoffen, dass sich das ganze wiederholen lässt. Auch im Catering Bereich blieben keine Wünsche offen und das Publikum war sowieso Wahnsinn! Unser
Dank geht an alle Beteiligten, vom Veranstalter bis zu den Fans!
Nomans Land / Sigurd::
The organisation of the festival was very professional. It was the biggest fest in which we took part. We'd like to than the organizers for the care of the bands, drink, food and so on. Also we'd like to thank the technical crew that has supported this show with a good sound. It was cool to perform for so incredible German metalheads. We were hanging out with our new viking brothers from Sweden. Månegarm are fantastic guys.
We will be very glad to play at "Ultima Ratio" next time.
musikalischer Background des Verfassers True-und Power-Metal, Viking/Pagan/Folk-Metal, Osteuropa und Exoten in jeglicher Form, Genreübergreifendes, auch mal Thrash oder Death und Black in melodischer Ausprägung sowie ein wenig Gothic und Punk.
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