Serj Tankian ist zu Gast in der Großen Freiheit 36!
Man muss nun mal zugeben, so oft bekommt man diesen wandlungsfähigen Sänger der erfolgreichen Band System of a Down nun doch nicht zu Gesicht!(?) Vor allem nicht, wenn es sich um seine Solopfaden handelt. Kurz vor dem neuen Release seines zweiten Soloalbums „Imperfect Harmonies“ ist er nun mit seinen Mitstreitern als auch extra für diese Shows eingesetzten tschechischen (Klein-)Orchesters auf Tour.
Pünktlich um 21 Uhr beginnt die rund knapp 75-minütige Show mit einem Intro, während dessen nacheinander alle Musiker (-in schwarzer Kleidung!) ihre Positionen einnehmen, bis der Star Serj Tankian im weißen Anzug (inkl. weißer Schuhe) die Bühne betritt und sofort einen neuen Song „Left Of Center“ bietet. Der tobende Jubel sagt mir, das Publikum liebt ihn jetzt schon! Doch kein Wunder, wenn man mit Knallern und eben Ohrwürmern wie „Lie Lie Lie“, „Sky Is Over“ und „Saving Us“ nachlegt. Was mich ein wenig überraschte, war der hohe Anteil an sehr jungen Mädchen. Irgendwie scheint wohl dieser Herr einiges mehr auszustrahlen, als bloß seine gezielt heftigen Wechsel des Gesangsstils.
Die Songs seines ersten Albums haben zwar an diesem Abend, im fast ausverkauften Haus, die Oberhand, jedoch muss man auf gut sechs neue Tracks keinesfalls verzichten. Bin jetzt schon auf das neue Album gespannt. Auch wenn einige der neuen Songs und Versionen uns einen eher ruhigeren Serj Tankian aufzeigen, als es noch bei „Elect the Dead“ der Fall gewesen ist, so muss man zugeben, dass dies wohl derzeit die neue Phase dieses Songschreibers ist. Irgendwie spiegeln die neuen Songs genau das wider, was er mit seinem Anfang des Jahres erschienenen Livealbums „Elect the Dead Symphony“ angefangen hatte. Es herrscht dieses symphonische, klassische Gefühl im Hintergrund.
Gefühlvoll und besonders nachdenklich präsentiert er an diesem Abend einen seiner neuen Songs „Yes, It´s Genocide“. Es herrscht fast komplette Stille im Saal. Dies verhält sich nicht sonderlich anders bei der rein orchestralen Version von „Blue“. Überhaupt, die Keyboards (das Piano) als auch das kleine Orchester passen an diesem Abend hervorragend zum Bühnenbild und eignen sich sehr zu diesen Songs des Protagonisten.
Auch wenn der Sound nicht wirklich zu überzeugen weiß, vieles kommt etwas zu chaotisch und eben durcheinander aus den Boxen rüber, so kann dieser Mangel durch die Livepräsenz, diese wirklich besondere Wirkung geradegebogen werden. Da merkte mal einmal mehr, dass der Herr so einiges im Petto hat, um das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Und dies nicht bloß durch seine politischen Parolen, die auch hier natürlich nicht fehlen durften.
Allgemein betrachtet würde ich abschließend sagen, dass man die Songs auf CD schon mögen muss, um sich Serj auch LIVE widmen zu wollen. Dies war auch deutlich vom Publikum her so zu vernehmen, schließlich sangen sie so gut wie jedes Lied einwandfrei mit. Aber diesen hin und wieder vorkommenden Effekt, „…ach, schau mal, da spielt einer, lass uns den mal unter die Lupe nehmen, ohne die Tracks zu kennen…“, würde ich bei Serj Tankian live nicht wirklich unterstreichen wollen. Doch es mag eben an diesem Abend gelegen haben, dass der Sound und die Locations nicht wirklich so zusammen passten, um die Show so richtig genießen zu können. Zumal der Eintrittspreis um die 35 € betrug. Von daher, Serj Tankian als Solokünstler auf der Bühne sowie Person hat tatsächlich das Charisma. Diese sympathische, mitreißende Wirkung; was durchaus oft auch ausreichen mag. Seine Mitstreiter wirkten durchaus gut eingespielt und das kleine Orchesterensemble konnte sich gut in die Songs integrieren. Und auch diese Tatsachen machen das gewisse Etwas aus. Aber ich persönlich hätte diese Show doch lieber in einem etwas passenden Club mit besserem Sound erleben wollen (…und Serj: so langsam wird es aber mal Zeit, was neue System of a Down-Songs und Liveshows anbelangt…)!
Setlist Serj Tankian LIVE in Hamburg, 24.08.10 - Große Freiheit 36 - (ohne Gewähr):
Intro (The Hand)
Left Of Center
Lie Lie Lie
Sky Is Over
Saving Us
Baby
Unthinking Majority
Praise The Lord And Pass The Ammunition
Blue
Elect The Dead
Gate 21
Yes, It´s Genocide
Deserving
Honking Antelope
Electron
Borders Are…
Feed Us
Bethoven´s C**t
Empty Walls
Money
geschrieben am 27.08.2010 von Arturek
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musikalischer Background des Verfassers ...sehr viel
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