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Sonisphere Festival - 2010 in Letiste Milovice am 19.06.2010

Ich zitiere: „…wir bitten alle Autofahrer um Geduld, durch unser Verkehrskonzept sind wir bemüht, allfällige Verzögerungen zu vermeiden…“ (Quelle: http://cz.sonispherefestival.net/info-de/anfahrt)

Ein musikalisches Konzept der vertretenen Bands war durchaus vorhanden, aber was die Tschechien unter einem „Verkehrskonzept“ verstehen wollen, dies bleibt wohl für die Ewigkeit offen.
Mit reichlich Verspätung ist man dann doch am Gelände des alten Militärflughafens in Milovice angelangt, um den Traum vieler Teenager, Mittdreißiger als auch Altherren zu verwirklichen. So manch einer hat sich wohl kneifen müssen, um zu wissen, dass er nicht wirklich träumt. Die „Big Four“ auf einer gemeinsamen Open-Air-Bühne; der totale Wahnsinn auf dem SONISPHERE FESTIVAL in Milovice!

Punkt 16:15 Uhr am Gelände und die alten Speed-Thrasher von Anthrax gaben mächtig Gas – und dies mit einem Klassiker schlechthin „Caught in a Mosh“ auf der Apollo Stage. Von der ersten bis zur letzten Minute, wie in alten Zeiten! Scott mit seinem animalischen Elan fegte über die Bühne wie man es gewohnt ist, dabei ist mittlerweile doch klar, dass er keine 18 Jahre mehr ist. Doch selbst der immer- und immer-wiederkehrende Belladonna am Mikro erfreute sich bester Gesundheit wie man sehen konnte. Und na ja, Benante perfekt wie immer. Was will das Herz eines Fans der 80er Thrash-Bewegung noch, wenn der Auftakt einer der „Big Four“ so cool rüberkommt? Wirklich, Songs wie “Got the Time”, “Antisocial” oder “Indians” oder gar selbst ein der Coversongs „Heaven & Hell“ zu Ehren von Ronnie James Dio (R.I.P.) gingen ab wie ein Zäpfchen. Mit denen ist wohl noch weiterhin zu rechnen, auch wenn das Line-Up-Karussell immer und immer wieder rotiert.



Auf der Saturn Stage, die zwar einen kurzen Fußweg vom Fan verlangte, aber viel mehr Zeit in Anspruch nahm, da man durch zahlreiche Fressbuden und vor allen Dingen mehrerer Bierstände sich durchkämpfen musste, spielten die Ami-Industrial/Deather von Fear Factory! Durchaus coole Show mit einem gewaltigen Gene Holgan am Schlagzeug, aber leider miserabler Sound! Diese Band hätte durch ihre Wucht und die Publikumsanbindung definitiv auf die Hauptbühne gehört.

Megadeth ! Der Kracher, schon zu Anfang. Die meisten dachten, es handele sich hierbei um ein Soundcheck, aber Pustekuchen. Ein gutgelaunter Dave und seine Truppe fegten mit „Holy Wars…The Punishment Due“ los. Ich muss zugeben, dass ich diesen Song auch eher als Zugabe vermutet hätte. Die Folge war: kein Halten im Publikum! Schnelligkeit, Präzision und sichtliche Spielfreude – aber Dave mit einem krass-leuchtendem „weißen“ Hemd! Und der Sound, ja, abschließend kann man schon sagen, dass dieser an diesem Tag nur bei Megadeth noch wirklich akzeptabel gewesen ist. Doch man merkte auch, dass Dave und Co. sich durchaus gedacht haben, sich an einem Solchen Event zu beteiligen. Sie können eigentlich nur gewinnen, schließlich platzierten sie die mit coolsten Songs ihrer Karriere (siehe Setlist unten), auch wenn natürlich dem ein oder noch mehr Songs eingefallen wären. Doch was soll eine Band auch tun, wenn man sich an den Zeitplan strickt halten muss und lediglich eine Stunde Spielzeit eingeräumt bekommt. Zum Abschluss durfte noch der letzte Part von „…The Punishment Due“ erneut angesetzt werden, was auf jeden Fall positive Wirkung und somit den „Roten Faden“ einer durchaus gelungenen Show symbolisierte (in eigener Sache: mich würde interessieren, ob es Dave schriftlich verboten worden ist „Mechanix“ zu spielen?:-))



Was eher bei einem solchen Festival überraschte, sind diese unnötigen Karussells, Autoscooter, Spielautomaten etc. Leute, vielleicht zähle ich in dieser Richtung zum alten Eisen, das lasse ich ja noch gelten, aber mal ehrlich, was denken sich die Veranstalter bei derartigen Aktionen? Es beschränkte sich ja nicht nur auf ein Bungee-Angebot o.ä.! Sollen etwa sehr viele Kinder zu solchen Festivals angelockt werden? Wo bin ich hier, was verstehe ich hinter solchen Konzepten nicht? Denken die Veranstalter (und auch ggfs. Bands, die hier mitreden dürfen) nicht daran, dass es sinnvoller wäre den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen, in dem sie es fürs Merchandise ausgeben oder das Catering?
Für meine Begriffe gehört ein solcher Blödsinn nicht auf ein Festival der härteren Gangart, hier besteht durchaus noch Verbesserungs-/Handlungsbedarf, seitens Sonisphere und Co, wenn ihr mich fragt. Aber Angebot und Nachfrage, ihr wisst schon…

Weiter ging es auf der Hauptbühne mit Alice in Chains. Zwar zünden ihre neuen als auch überwiegend alten Tracks in gewisser Hinsicht, aber man merkte sofort, dass diese Band hier nichts verloren hat. (Hätte bloß Heaven & Hell mit Ronnie und Iommi hier an dieser Stelle gespielt, was wäre das für ein Ereignis gewesen.) Dabei wurde Alice in Chains im Voraus noch nach der Slayer-Show und vor Metallica-Show terminiert. Zum Glück wurde dies noch ca. eine Woche vor dem Festival, was einigen an diesem Tag auch nicht so klar war, und Slayer tauschte die Runnig Order-Plätze mit Alice in Chains. Für meine Begriffe hätte anstatt A.i.C. auch Stone Sour bzw. eben Fear Factory auf der Hauptbühne spielen können. Nicht gerade wenige hat es aus diesem Grund zur Saturn Stage hingezogen, um noch die letzten Töne von Therapy? mitzubekommen (warum auch immer diese Band zu dieser Zeit hier spielen durfte? Warum spielten sie überhaupt?).

Viel wichtiger war jedoch, sich danach Stone Sour zu widmen. „Made Of Scars”, “Hell & Consequences” oder “Get Inside” waren nun angesagt, selbst ein brandneuer Song “The Bitter End” (neues Album gibt es im September) wurde vorgestellt. Mitsingattacken vorprogrammiert. Irgendwie wirkten die Jungs zwar agil und willens bei der Sache, aber diese Stimmung kam nicht wirklich auf das Publikum über. Zudem machte der Sound als auch die tief stehende Sonne den Auftritt nicht wirklich zum was Besonderem für die Fans. Stone Sour kommen sicherlich in einem Club viel besser zur Geltung.


Apollo Stage - Punkt 21 Uhr! “Intro: World Painted Blood”! Und die Meute flippt jetzt schon aus. Kerry, Dave, Jeff und Tom bewegen sich auf die Bühne und legen mit ihrem Krachersongs des gleichnamigen aktuellen Albums los. Sofort ist klar, hier steckt wirklich (Herz)Blut drin.
Pure-„Slayer“-Maschinerie der heftigen Riffs, Soli und technischer Raffinesse! Die Setlist ließt sich wie das Best Of Programm der letzten 27 Jahre! Gut eingespielt, sogar mit Freude dabei und einigen Ansprachen des Frontmans, hat man den Jungs jeden Riff, jede Passage und jedes Wort der Lyrics abnehmen wollen, im positiven Sinne eben. Ein tatsächlich guter Gig und vor allem hielt Toms Stimme diese knapp 75 Minuten gut durch. Doch wäre da nicht der absolut miserable Sound. Gesang oft etwas zu leise, Kerry Kings Gitarren manchmal gar nicht zu hören und die Drums an einigen Stellen etwas zu platt. Was war los, schlafen die Tonmanager auf ihren Ohren oder war ihnen das leckere tschechische Bier (unfassbare 1,50 € / 0,4 Liter frisch gezapft!)?
Wenn wir schon beim Thema sind:
Positiv: die zahlreichen Variationen an den Fressbuden, zu fairen Preisen und das verdammt leckere Bier! Ebenfalls positiv anzumerken wäre die Vielfalt der vertretenen Nationalität, die an diesem Tag den Weg nach Milovice gefunden haben. Das extrem viele Tschechien und Slowaken dabei sein dürften, war sowieso jedem klar. Dass Deutsche, Österreicher als auch Polen mit von der Partie sind, hat man sich auch denken können. Doch dass auch sämtliche skandinavische Staaten oder Russen, Ukrainer als auch BeNeLux-Länder und selbst Südamerikaner vertreten sein würden, das ist nicht wirklich selbstverständlich. Hut ab!



Eher negativ: Keine wirklich nutzbaren sanitären Anlagen, dabei möchte ich auch vermerken, dass es keine Möglichkeit gab sich zumindest mal so die Hände zu waschen. Schade auch, dass eher vollkommen unbekannte Bands im „Zelt“, der Plingg Stage, gespielt haben. Zwar waren auch einige Fans immer wieder hier gesichtet worden, aber im Endeffekt ging diese Bühne eher unter. Zudem gab es meiner Meinung zu wenig Metalmarkt-Stände, mit überwiegend Merchandise (CDs, T-Shirts etc.) angeboten haben. Aber nun.

Der letzte Akt des Abends hieß für mich natürlich Metallica, auch wenn auf der „kleinen Bühne“ noch eine Band wie Rise Against ihre Show vollzogen hat.
Zwei Stunden reiner Spielzeit wurden erlaubt und diese wurden auch strickt von den alten Recken eingehalten. Wie man mittlerweile ja weiß, will James einfach nicht länger. Doch Metallica war auch die einzige Band des Tages, die die Fans warten ließ. Mit knappen 15 Minuten Verspätung ging es mit dem altbekannten und seit mehr als 20 Jahren bewährten Intro los und dann: „Creeeeeeping Death“! Was für ein Anfang. Weiter ging es ohne Pause mit „For Whom The Bell Tolls“ –grandios-. Als Nächstes mit Ansage die erste Überraschung des Abends: „Disposable Heroes“. Wahnsinn! Doch dann kam das erste Manko: der Sound wurde irgendwie leiser. Zwar war es tendenziell in der Mitte des Geländes durchaus okay, wenn es um die Qualität des Sounds geht, aber es war einfach zu leise (ja, auch ohne Ohrstöpsel!). Was jedoch positiv zu bemerken wäre, nicht nur die seitlichen Leinwände wurden nun für die Show genutzt, die Band durfte man nun auch auf einer Riesenleinwand in der Mitte der Bühne bewundern. Somit hatte auch jeder noch so kleinere Besucher die Möglichkeit einen Blick zu erhaschen. Selbst die Leutchen, die sich vor dem Eingang platziert hatten und so einen Gig „gratis“ zur Verfügung gestellt bekommen haben.



Schön und gut! Songsauswahl voll okay (siehe Setlist unten), aber die Altherren-Liga wirkte irgendwie nicht so „kräftig“, wie einst oder zumindest in den letzten vier Jahren. Man hatte den Eindruck, dass es recht langweilig wurde auf dem Festivalgelände. Vielleicht liegt es daran, dass ich sie schon öfter erleben durfte, aber das Gefühl hatte ich tatsächlich und ich war nicht der einzige mit dieser Meinung. Nach den Standard-Songs eines jeden Sets von Metallica gab es natürlich auch ein paar Tracks des neuen Albums, die für meine Begriffe mit die schwächsten des Abends waren. Lediglich „My Apocalypse” hatte noch zumindest eine gewisse Atmosphäre erzeugen können.
Die wunderbaren Hymnen „Welcome Home“, „Battery“ und „Harvester Of Sorrow“ waren absolute Granaten, wie so oft, aber “Nothing Else Matters” mit zahlreichen Feuerzeugen (wann wird dieser Song endlich mal aus der Setlist gestrichen!?) als auch “One” mit dem dazugehörenden Feuerwerk wirkten eher unpassend an diesem Abend. Aber die Zugaben hatten es dann, wie so oft, doch wieder voll in sich. Und das muss man dieser Band nun mal hoch anrechnen. Von Show zu Show tauschen sie den ein oder anderen Song aus. Und das ist definitiv denen hoch anzurechnen. Denn, auch wenn sie die meisten längere Shows wünschten, so ist ja nun mal ein Schlussstrich immer notwendig. „Helpless” und gleich hinterher “Motorbreath” als auch die Dauerwiedervorlage „Seek & Destroy“ mit zahlreichen Pyro-Feuerwekrskörpern wurden genau richtig als Zugaben präsentiert. Doch wie schließe ich einen solchen Gig rein objektiv betrachtet nun ab? Wenn ich ehrlich sein soll: ich habe diese Band wirklich schon mal besser erlebt. Doch die Freude, die VIER (weiterhin!) größten Speed/Thrash-Bands dieser Erde auf einer Bühne erlebt zu haben, überwiegt trotzdem. Wie ein James Hetfield es bei jedem Sonisphere Festival angemerkt hat: „Geschichte wurde mit diesem Konzept geschrieben. Und die anwesenden Fans sind ein Teil davon“.

Ich beende mein Live-Review, welches durchaus noch länger hätte ausfallen können (mit zahlreichen Anekdoten zur Fahrt, dem Aufenthalt in Prag sowie natürlich dem ominösen Verkehrskonzept!) mit dem Hinweis des Veranstalters Sonisphere, welcher auf den Flyern folgendes mitgeteilt hat: „Tesime se na vas v roce 2011“, also „See you again in 2011!“


Dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen. Außer vielleicht noch einige Setlisten der Hauptbands (ohne Gewähr):

19.06.2010 in Milovice, Sonisphere Festival

Metallica:
1. Creeping Death
2. For Whom The Bell Tolls
3. Disposable Heroes
4. Harvester Of Sorrow
5. Fade To Black
6. That Was Just Your Life
7. Cyanide
8. Sad But True
9. Welcome Home (Sanitarium)
10. My Apocalypse
11. One
12. Master Of Puppets
13. Battery
14. Nothing Else Matters
15. Enter Sandman
Zugabe:
16. Helpless (Diamond Head cover)
17. Motorbreath
18. Seek & Destroy

Slayer:
1. World Painted Blood
2. Jihad
3. War Ensemble
4. Hate Worldwide
5. Beauty Through Order
6. Disciple
7. Seasons in the Abyss
8. Hell Awaits
9. Mandatory Suicide
10. Chemical Warfare
11. Raining Blood
12. Aggressive Perfector
13. South of Heaven
14. Silent Scream
15. Angel of Death

Megadeth:
1. Holy Wars... The Punishment Due
2. Hangar 18
3. Wake Up Dead
4. Headcrusher
5. In My Darkest Hour
6. Skin O' My Teeth
7. A Tout Le Monde
8. Hook In Mouth
9. Trust
10. Sweating Bullets
11. Symphony Of Destruction
12. Peace Sells + The Punishment Due

Anthrax:
1. Caught in a Mosh
2. Got the Time (Joe Jackson cover)
3. Madhouse
4. Heaven & Hell (Black Sabbath cover)
5. Indians
6. Be All, End All
7. Medusa
8. Antisocial (Trust cover)
9. Only
10. Metal Thrashing Mad
11. I Am The Law


geschrieben am 25.06.2010   von Arturek
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