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Graspop Metalmeeting 2009 in Dessel (Belgien) am 26.06-28.06.2009

Metalglory goes Belgium! – Nachdem das Dynamo Open Air ja Geschichte ist, haben die Macher des Graspop Metal Meeting die Gunst der Stunde genutzt und das Festival schrittweise zu einem der größten und bedeutendsten Events des metallischen Festivalsommers ausgebaut. Seit 1996 schaffen sie es Jahr für Jahr internationale Top Acts in das kleine Örtchen Dessel zu karren, wo sie dann von geschätzten 130000 Tausend Besuchern gehörig abgefeiert werden. Nachdem man im letzten Jahr auf Headliner der Marke Iron Maiden, Kiss und Judas Priest gesetzt hatte, kamen bei der 14ten Auflage die in diesem Jahr vom 26.-28. Juni über die Bühnen ging, vornehmlich Bands modernerer Klänge zum Zuge. Neben Marilyn Manson und Slipknot wurden als Headliner die Glam Rock Legende Mötley Crüe bestätigt. Die allerdings zählten neben Heaven & Hell, dem All Star Project Chickenfoot und Nightwish auf den vorderen (sprich abendfüllenden) Positionen dann auch schon zu den einzigen klassischen Vertretern der Zunft, denn das Billing war ansonsten klar von Vertretern aus der Metalcore und New Wave of American Heavy Metal Szene geprägt.

Bei unserer Ankunft hieß es erstmal seinen Orientierungssinn auf die Probe zu stellen, denn einige Veränderungen in der Organisation des Platzes wurden sofort augenscheinlich. Zum einen hatte man den Campingplatz direkt an das Festivalareal gekoppelt, nur getrennt durch eine 24h Area. Hier konnten Party hungrige auch bis in die frühen Morgenstunden im so genannten „Metal Dome“ gehörig abfeiern, oder Frühaufsteher die hiesigen Frühstücksangebote nutzen. Das diese Neukonzipierung nicht auf jedermanns Gegenliebe stieß war zu erwarten. Insbesondere die Frühanreiser beschwerten sich über immens lange Fußwege zum Festivalgelände da das belgische Ordnungsamt (!) den Campingplatz rigoros von hinten nach vorne füllte. Und auch die doppelte Einlasskontrolle (von der Campsite auf die 24h Area und von dort aufs Festival Infield) sorgte für mancherlei Kopfschütteln. Ganz hart hatte es aber die Händler getroffen, die in eine nicht ausgeschilderte Ecke auf dem Infield „abgeschoben“ wurden, wodurch die Kassen am ersten Tag nahezu leer blieben. Erst ein in Eigeninitiative kreierter Wegweiser sorgte für einigermaßen Besucherzulauf ab dem zweiten Tag. Was man allerdings bei der Neugestaltung des Geländes versäumt hatte, machten dann die örtlichen Annehmlichkeiten wie riesige Spültoiletteareale für lau und massig Platz auf Infield für jedermann im Handumdrehen wieder wett. Und auch die Becherjäger, die Jahr für Jahr zur Erheiterung beitragen waren wieder am Start. Wers nicht kennt: Bei der Becherjagd geht es primär darum möglichst viele Einwegbecher zu sammeln und für den Preis dreckiger verpäkter Klamotten und einigen Restbierduschen an einer Sammelstelle gegen Biermarken einzutauschen. Für 100 heile(!) Becher gibt’s ein Bier….
Apropos Bier und Fast Food: Eines der Nachteile beim Graspop Metal Meeting, die langen Warteschlangen an der Wertmarkenausgabe (1 Marke = 2,25 €), konnte man dieses Jahr dank Neuorganisation auf ein Minimum reduzieren da es keine Trennung mehr zwischen Marken für Essen und Trinken.


TAG 1, 26. Juni 2009

Das Graspop Metal Meeting bietet eine Besonderheit, die man auf anderen Festivals in dieser Art so nicht erlebt. Neben einer großen Hauptbühne stehen drei kleinere Bühnen in großen Zirkuszelten, die 8000 – 12000 Menschen Platz bieten. Bei Regen und widrigen Witterungsbedingungen ist dies eine Wohltat, aber bei 35°C im Schatten wie auf dem diesjährigen Graspop werden diese zur Sauna und stellen echte Anforderungen an die Physis von Band und Fan. Zumal durch die erwähnte Neugestaltung des Areals die Zelte als äußere Begrenzung fungieren, so das die Wände anders als in den letzten Jahren nicht entfernt werden konnten. Die ersten Leidtragenden dieser ungünstigen Planung die wir und anschauten waren die US Metaller W.A.S.P. Bei gefühlten Saunatemperaturen zogen die Herren um Blackie Lawless routiniert und souverän ihren Hitbeladenen Set runter. Aber trotz des Alltime Classix Sets war wie befürchtet kaum Regung auf und vor der Bühne. Lediglich bei ’Wild Child’ gings dann mal richtig zur Sache.

Soulfly hingegen schienen sich von der Hitze noch beflügeln lassen. Auf der großen Hauptbühne kassierte Max Cavalera Kilometergeld, und die Band schien wirklich gewillt das erste Highlight des Festivals zu setzten was ihnen auch problemlos gelang. Vor der Bühne tobte der Circle Pit in einer riesigen Staubwolke, der immer größer zu werden schien und seinen Höhepunkt in dem abschließenden „Chaos A.D.“ und „Roots, Bloody Roots“ fand. Ein würdiger Schlusspunkt unter einen geilen Auftritt.

Im Anschluß daran sorgten Blind Guardian dafür, das im großen Zelt der Schweiß endgültig von der Decke regnete. Kein Wunder wenn man mit Granaten wie Barbara Ann oder Majesty um die Ecke kommt. Auch hier griff die Devise Festivals = Alltime Classix Zeit, sodas die Herren einen Hit nach dem nächsten abfeuerten und sich dezent vom Material jüngeren Datums fernhielten. Höhepunkt war sicherlich einmal mehr der „Bard’s Song“, der wirklich überall Strophensicher mitgesungen wird. Und im Doppelpack genossen bilden sie auch noch nach15 Jahren den Höhepunkt einer jeden Blind Guardian Show. Selbst wenn sie so großartig dargeboten wird wie an diesem Abend.

Mit etwas gemischten Gefühlen zog es uns dann gen Heaven & Hell. Nach dem etwas durchwachsenen Auftritt auf dem Sweden Rock Festival waren wir eher skeptisch, was uns erwarten würde. Aber die Herren Dio / Iommi / Appice / Ward straften uns Lügen und lieferten eine blitzsaubere Show ohne Makel. Professionell, routiniert, abgezockt, großartig. Anders kann man die Leistung der vier Altmeister nicht umschreiben. Ohne großes Stageacting und Interaktion mit dem Publikum schaffen es die vier immer noch mühelos, geschätzte 40 Tausend Menschen vor der Bühne sofort in ihren Bann zu ziehen. Angefangen von Mob Rules bis hin zum Rausschmeißer Heaven & Hell (in der Livetypischen 23 Minuten version) war es diesmal eine grandiose Show!

Die letzte Band des Abends waren dann Mötley Crüe. Nachdem es in den letzten Jahren recht still um die einstigen Aufreißer No 1 vom Sunset Boulevard geworden war meldeten sie sich mit Saints of Los Angeles lautstark zurück. Mit Kickstart my Heart legten die vier dann auch recht amtlich los und boten sowohl ein Best of Programm als auch ein Bild des Jammers. Nikki Sixx und Tommy Lee scheinen die Jahre auf der Überholspur wohl noch am besten verkraftet zu haben, aber Mick Mars merkt man das fortschreiten der Krankheit deutlich an, sodaß er eher wie ein Statist am Bühnenrand sein Instrument beackerte. Und was Vince Neil an diesem Abend abliefert ist schlichtweg Müll. Wie ein kastrierter Kater auf Helium quält er seine Vocals in Mikro. Schauderhaft. Das er zwischen den Songs die Ansagen Nikki Sixx überlässt und ständig von der Bühne verschwindet stützt zumindest die Helium Theorie. Und auch so ist nicht viel Show zu vermelden. Ein von einem Fan auf die Bühne beförderter BH und ein paar aufsteigende Luftballons waren da schon als Höhepunkt zu verzeichnen. Wäre die Hitdichte an diesem Abend nicht so hoch gewesen (Wild Side, Shout at the Devil, Live Wire, Saints of L.A., Girls Girls Girls, Dr. Feelgood, etc.) wäre die Vorstellung zur absoluten Nullnummer verkommen, so aber bleibt ein gemischter Eindruck.

TAG 2, 27. Juni 2009

Das Thermometer wandert unaufhörlich weiter, und bereits am Mittag fließt der Schweiß allenorts derart in Strömen so das wir kurz davor sind eine Siesta auszurufen. Nütz aber alles nix, der Eintrittspreis von 135€ muss ja in Gegenwert umgesetzt werden. Den gab’s dann an diesem Tag bei tropischen Temperaturen im Zelt.
Kataklysm lieferten eine schweißtreibende Performance, bei der selbst im Zelt die Matten in Dauerrotation gerieten. Deren Death Metal Abrissbirne ist Live noch um einiges intensiver als auf Platte, so das man bei den Jungs eigentlich nie was falsch machen kann. So auch an diesem Nachmittag. Daumen hoch!

Danach brach vor der Bühne der Wahnsinn aus, denn Hatebreed schickten sich an, den Festivalbesuchern schon am frühen Nachmittag das letzte Fünkchen Energie zu rauben. Wir schauten uns das musikalische Inferno aus Metalcore und Punk aus sicherer Distanz an, denn der Circle Pit nahm bereits wieder immense Ausmaße an. Wir sparten unsere Energie dann lieber für

Death Angel . Die Bay Area Veteranen enttäuschten uns dann auch nicht. Mit einer Old School Setlist der Extraklasse hat man natürlich keine Probleme die anwesenden auf seine Seite zu ziehen, und genau einen solchen hatten sie an diesem Abend in Belgien im Gepäck. Von Sekunde eins an tobte die Menge im Zelt, und auch auf de Bühne ging’s mächtig zur Sache.

Leider spielten die Jungs zeitgleich mit Monster Magnet so das mal wieder Bühnenhopping angesagt war. Aber das Hopping hat sich gelohnt…
Dave Wyndorf hat gut gelebt über die Jahre und sieht mittlerweile ein wenig aus wie eine Light Version von Jon Oliva, seine Stimme und Ausstrahlung tat das allerdings keinen Abbruch. Wie er die Meute beim abschließenden „Space Lord“ im Griff hat, war ganz großes Kino!

Im Anschluß daran brachten Korn mit ihrer sehr agilen Bühnenperformance auf der Mainstage die vornehmlich jüngeren Besucher wieder ordentlich in Walllung. Neben ihrem Standardprogramm konnten die Amis bei uns vor allem mit den Coverversionen von "Another Brick In The Wall" und "Enter Sandman" punkten.

Den finalen Schlusspunkt unter den zweiten Tag setzten dann Slipknot. Die neun Chaoten aus Illinois entern die Bühne und werden von einer Riesencrowd empfangen. Wie frisch aufgeladene Duracell Häschen auf Dope hüpfen die Herren über die Bühne und wollen eigentlich nur eins: Unterhalten. Und das gelingt ihnen nahezu durchgängig. Die Fans feiern Slipknot während ihres Neunzigminütigen Sets ab, als wenn’s der letzte Auftritt der Band wäre. In der Folge gibt’s einen repräsentativen Querschnitt durch alle Alben, wobei persönlich die Highlights auf dem neuen Album liegen. Aber restlos begeistern konnten Slipknot dann doch nicht, vor allem weil die Show spätestens ab der Hälfte des Sets vorhersehbar wird. Das permanente Extreme-Schaukeln von rotnasigen Masken an ihren Drumkits und als Hauptvokabel des Abends das nette Wörtchen ’Fuck’ zu wählen verliert eben doch schnell seinen Reiz. Aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache, und die Menge rastet eigentlich bei allen Songs komplett aus - milden Abendtemperaturen sei Dank!

TAG 3, 28. Juni 2009

Gott sei Dank! – Endlich hat der Wettergott ein einsehen mit dem Festival und schickt Wolken über den Himmel von Dessel. Die dadurch bedingte Absenkung des Thermometers auf angenehme 20°C scheint bei allen Besuchern die Reserven frei zu legen.
Lamb of God eröffneten wir den Tag, wobei die Jungs eher enttäuschten. Ein Megafetter Bass der das Gelände zum vibrieren brachte ließ uns recht schnell entnervt abdrehen. Man kann es auch übertreiben, wir sind – zumindest diesmal – nicht zusammen mit der Band in die Hölle gegangen…
Uns zog es eh zur Legende des gepflegten Skate Metals: Suicidal Tendencies. Cyco Mike enttäuschte uns nicht und stob bei unserer Ankunft schon wie ein Derwisch über die Bühne. Das Zelt war wie erwartet bis unter das Dach gefüllt, sodas man sich das ganze Spektakel eher von den hinteren Plätzen anschauen musste. Suicidal Tendencies rockten schlichtweg wie die Sau, und hatten die Fans stets fest im Griff. Angesichts der Hammer Setlist auch kein Wunder; Kostprobe gefällig? – Bring me Down, War inside my Head, Possessed to Skate, Join the Army, Trip at the Brain, Suicyco Mania, How will I laugh tomorrow…. Nicht nur wegen der Setlist der überzeugendste Auftritt einer Band auf dem Graspop 2009
Danach wurde es Zeit für Legenden, denn das All Star Projekt Chickenfoot enterte die Bühne. Sänger Sammy Hagar (Ex-Van Halen und Montrose), Bassist Michael Anthony (Ex-Van Halen), Gitarrist Joe Satriani und Drummer Chad Smith (Red Hot Chili Peppers) gaben auf der Bühne alles, und zockten bei aufbrechender Wolkendecke ihr komplettes Album. Insbesondere Gute Laune Frohnatur Sammy Hagar ließ sich von der dürftigen Publikumsreaktion nicht beirren und grinste beständig wie ein Honigkuchenpferd in die Reihen, machte seine Scherze mit den Wasserverteilern im Graben und lieferte großes Ohren und Augen Kino. Absolut ohne Rock Star Allüren und völlig Publikumsnah gaben sich Chickenfoot an diesem Tag und konnten damit nicht nur bei uns voll punkten.
Dieses Niveau konnten Anthrax im Anschluß daran nicht halten. Sicherlich ist der gebotene Thrash nicht schlecht und trifft auch genau unser Gehör, aber der momentane Sänger kann klingt leider zu austauschbar und kann nicht das nötige Feeling für die Songs aufbringen. Klingt irgendwie etwas neben der Spur wie der gute Mann erst Caught in a Mosh und im Anschluss Indians verhunzt. Uns reicht es und wir ziehen es vor erstmal auf Nahrungssuche zu gehen….
Dabei beobachten wir aus der Ferne die an diesem Abend ziemlich lahme Performance von Disturbed. Insbesondere gesanglich ist auch hier nicht alles im Lot. Derart Kraftlos habe ich „Sickness“ bis dato noch nicht mein Ohr umspülen lassen. Einziger Lichtblick in einer diesmal durchwachsenen Vorstellung ist da sicherlich der Phil Collins Klassiker „Land of Confusion“ der von allen anwesenden Strophensicher mitgesungen wird und ein bisschen Gänsehautfeeling verbreitet.
Mit Blitz Donner und viel Pyroeinsatz läuten Nightwish dann das Finale ein. Zugegeben habe ich mich mit der Dark Passion Play nicht sonderlich auseinander gesetzt und die Vorschusslorbeeren auf die Liveperformance von Anette Olzon waren ja auch nicht die besten. Und so kam es wie es kommen musste, nämlich mies! Da kann die Band sich die Finger wund spielen und performen bis der Arzt kommt. Da kann man mit Pyros und Showeinlagen vom eigentlichen Problem ablenken. Es nützt einfach nichts. Ich habe diese Band wirklich geliebt, die da nun von einer stimmlichen Katastrophe heimgesucht wird. Sorry Mrs Olzen aber diese nervenzerreißende Hochtonorgie ohne Emotion und Ausdruck ist einfach grottenschlecht. Da wurden Songs umarrangiert, damit sie für Mrs Olzen singbar sind, und genützt hat es nichts. Das bleibt nur ein Fazit: In der Nightwishliga ist man oder eben nicht. Und Anette Olzen ist mit dieser gequälten Vorstellung und dem mühevoll dahin geträllertem Gesang dort leider noch lange nicht angekommen. Aber das eigentliche Finale sollte ja noch kommen….
Last man Standing: Der Vorhang fällt und Marylin Manson entert die in rotes Licht getauchte Bühne. Was er allerdings auf dem Graspop abliefert ist schier unterirdisch und wird die hartnäckigen Gerüchte um seine Drogensucht weiter anheizen. Gerade mal siebzig Minuten Show kriegt der Mann zusammen, und die sind auch noch dürftiges Mittelmaß. Der große Rockstar bekommt von seinen Roadies eigentlich ständig irgendetwas gereicht, oder die armen Kerle müssen während der Songs das Spotlight neu ausrichten weil der große Herr Rockstar geblendet wird (nen Schritt zur Seite war wohl nicht möglich). So wird eigentlich die komplette Manson Show im Handumdrehen völlig ruiniert. Stimmung kommt dann natürlich ebenfalls keine auf, und selbst offensichtliche Die Hard Fans wandern schon nach der Hälfte des Gigs ab. Da hat jemand die Dopeshow (eines der Highlights neben Sweet Dreams) vermutlich ziemlich wörtlich genommen. Schade das mit dieser kraftlosen Show ein ansonsten geiles Festival seinen Schlusspunkt findet.

Am frühen Montagtagmorgen hieß es die Klamotten packen und den Heimweg in Richtung Deutschland antreten. Die Abfahrt ist, ebenso wie das gesamte Festival, erfreulich unkompliziert und Stressfrei was nach drei ereignisreichen Tagen in Dessel eine verdammt angenehme Situation darstellt.
Jedem Freund metallischer Klänge kann man nur empfehlen, sich einmal den Trip nach Dessel zu gönnen. Wir, die dieses Jahr wieder dabei sein durften, können auch vom Graspop Metal Meeting 2009 überwiegend positive Eindrücke mit nach Hause nehmen, und freuen uns auf das Jahr 2010 wenn am letzten Juni Wochenende das Graspop Metal Meeting Part 15 ansteht….



geschrieben am 31.12.2009   von Blizzard
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