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Saltatio Mortis, Feuerschwanz in Fulda, Kreuzsaal am 15.11.2007

Es ist Donnerstagabend, kurz nach halb Neun. Während ich mit Falk Irmenfried zu Hasen-Mümmelstein und Bruder Frank noch gemütlich beim Interview zusammensitze, wummern eine Etage tiefer FEUERSCHWANZ schon zwei Titel ihres neuen Albums, nämlich „Der Glöckner“ und „Verteidiger des wahren Met“, durch die Anlage. Wenig später beende ich ein langes Gespräch mit zwei angenehmen Zeitgenossen, das ihr demnächst an anderer Stelle nachlesen könnt und begebe mich so langsam in Richtung Erdgeschoss. Noch ein kurzer Plausch mit Alea und Cordoban, dann bin ich auch im Saal und kriege gerade noch den Titelsong des neuen Albums „Met und Miezen“ mit. Hauptmann Feuerschwanz und sein geiler Haufen sind zweifellos die J.B.O. der Mittelalter-Szene, und das nicht nur durch den bei den fränkischen Spassmetallern entlehnten Song „Verteidiger des wahren Met“. Die Leute gehen vor der Bühne jedenfalls während des gesamten Auftrittes ordentlich mit. In der zur Verfügung stehenden Zeit liegt der Schwerpunkt natürlich auf den neuen Liedern, aber auch ältere Titel wie „Prima Nocte“ und „Räuber“ ernten wohlwollenden Beifall der Fans. Zu „Meister der Folter“ wälzt sich wie vom Hauptmann und Ronja Hodenherz gefordert ein Lindwurm von Fans durch den Saal. Nach 45 Minuten ist um 21.15 Uhr dann leider schon Schluss mit lustig, aber wenn ich mich nicht verguckt habe, werden FEUERSCHWANZ Ende März mit COPPELIUS wieder in Fulda sein.

Eine halbe Stunde später ist es dann soweit: SALTATIO MORTIS sind fast genau nach zwei Jahren mit runderneuerter Besetzung wieder mal in Fulda. Die Erzählungen von einigen Freunden aus der Schweiz, wo sie vor zwei Wochen gespielt haben, waren nicht übertrieben. Die Spielleute aus Karlsruhe legen heute Abend einen fulminantes, zweistündiges Mittelalterrock-Konzert auf die Bretter, an das sich die Anwesenden sicher noch lange erinnern werden. Los geht es mit „Prometheus“, dem schmissigen Opener des aktuellen Albums „Aus der Asche“, gleich gefolgt von „Tod und Teufel“, „Uns gehört die Welt“ und „Worte“. Bis auf wenige Ausnahmen haben die neuen Stücke eines gemein: sie rocken mit viel Melodie einfach klasse. Nach einem meiner Lieblingssongs „Wirf den ersten Stein“ wird mit „Das Salz der Erde“ zum ersten Mal das Vorgängeralbum „Des Königs Henker“ gestreift. An die vom Text her etwas nachdenklicheren Lieder „Irgendwo in meinem Geiste“ und „Koma“ folgt mit „Sieben Raben“ eine rabenschwarze Schauergeschichte um ein Mädchen und ihre sieben toten Brüder.

Nach dem älteren Stück „Tritt ein“ verlässt Lasterbalk der Lästerliche sein Drumkit und hängt sich seine Davul um, denn die nächsten drei Songs zählen zum Mittelaltermarkt-Programm. Den Anfang macht das lebenslustige „Choix Des Dames“, bevor nach dem reinen Instrumental „Equinox“ die nächste Gruselgeschichte ansteht. Das schwedische Lied „Varulfen“ erzählt davon, dass Frauen, die sich mit Spielmännern im dunklen Wald treffen, von Werwölfen getötet werden. Kommentar von Lasterbalk: „Ihr lieben Frauen in Fulda, lasst euch das eine Mahnung sein. Lasst die Hände von den Spielleuten, nehmt den lieber den gross gewachsenen Trommler“. Damit hat er die Lacher auf seiner Seite. Nach dieser Einlage neigt sich die reguläre Spielzeit leider schon dem Ende entgegen. „Falsche Freunde“ („Erwachen“, 2004) und „Keines Herren Knecht“ („Des Königs Henker“, 2005) leiten die begeisterten Fans langsam zum Finale über. Den Abschluss bildet die coole Mitsing-Hymne „Spielmannsschwur“ (mein zweiter Favorit), bei der SALTATIO MORTIS nicht zum ersten Mal heute Abend von einem vielstimmigen Chor begleitet werden.

Nun stehen die Zugaben an. Nach mehrminütigen Rufen kommen SALTATIO MORTIS mit „Licht und Schatten“ zurück. Zum Schluss wird es ganz besinnlich. Die Ballade „Nichts bleibt mehr“ setzt den Schlusspunkt unter einen rundum gelungenen Abend, der aber noch eine unverhoffte Fortsetzung finden wird. Zehn Minuten nach Ende des Konzertes trudeln fast alle Musiker am Merchandise-Stand ein und weil noch soviele Fans ausgeharrt haben, legen Falk, Elsi, Cordoban, Lasterbalk und Thoron noch eine zwanzigminütige Session in dem schmalen Gang zwischen Tresen und Merchandise-Stand hin, so wie man es von ihren zahlreichen Auftritten auf Mittelaltermärkten gewohnt ist. Wer sie zu solchen Gelegenheiten noch nicht erlebt hat, bekommt hier einen ersten Eindruck vermittelt. Der finnische Paarungstanz „Tulla“, „Tarantella“ und „Palästinalied“ wecken schöne Erinnerungen an vergangene Märkte im Sommer. Um Mitternacht ist ein toller Abend dann unwiderruflich Geschichte.



Viele Grüße an:

Zechi, Max, Nadir (Napalm Records)
Anja, Kai (Tourmanagement)
Saltatio Mortis

geschrieben am 18.11.2007   von Armin
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