Mann, war das kalt in Osnabrück. Da für das Konzert mal wieder überall verschiedene Anfangszeiten publiziert wurden, kamen wir vorsichtshalber sehr früh in der Halle Garthlage an und wurden erst einmal nur in das recht frische Foyer gelassen. Das winterliche Klima war natürlich ein willkommener Anlass, sich mit ein paar Eröffnungsbieren zwischen den Merchandise Ständen aufzuwärmen. Nach dem Öffnen der Tore entschädigten uns die Osnabrücker Verantwortlichen mit wirklich vorzüglicher Pausenmusik aus den Häusern Priest, Maiden, Aerosmith und Dio. In den fast 18 Jahren, die ich jetzt mit Konzertbesuchen verbringe, musste ich mir wirklich schon eine Menge Mist in den Breaks anhören, und so bin ich für eine solche Auswahl stets dankbar. Meine Ohren hatten derartigen Balsam sogar dringend nötig, denn sie hatten sich noch nicht ganz von dem Schreck erholt, den ihnen die katastrophale neue Blind Guardian Single während der Anreise versetzt hatte. Aber das nur nebenbei. Wenden wir uns lieber den Bands des Abends zu.
Wirklich gar nichts wusste ich bisher über SABATON. Die Band scheint aus Schweden zu stammen und hat bisher mit „Primo Victoria“ ein Album vorgelegt. Sabaton erwiesen sich als guter Opener. Ihre Show war unterhaltsam, die Musik nett zum Mitwippen. Und so unspektakulär, dass man nach der kurzen Spielzeit dann auch den Eindruck hatte, genug gehört zu haben. Ihr typischer Melodic Speed Metal mit erfreulicherweise tiefem Gesang konnte mich nur ab und an beeindrucken. Ein folkiger Part in Song Nummer Zwo ist mir nett in Erinnerung geblieben. Auch der Titeltrack ihres Debüt Albums hat mir gut gefallen. Die restlichen Stücke möchte ich aber als gut abgehangener Durchschnitt einstufen. Die Band stellte zudem ein neues Stück vor, das ebenfalls keine Euphorie bei mir auslöste.
Ganz anders DRAGONFORCE: Auf CD hat mich diese Band ja schon recht beeindruckt. Live sind sie ein Oberhammer. Ständig in Bewegung feuerten sie eine Hochgeschwindigkeitsgranate nach der anderen ins Publikum. Als interessantes Showelement setzten sie in die Mitte des vorderen Bühnenrandes ein Podest, auf das ständig einer oder mehrere Musiker kletterten und posten, was der Rock’n’Roll so hergibt. Obergeil, wenn die beiden Wahnsinnsgitarristen Herman Li und Sam Totman nach einem ihrer ausgedehnten Soloduelle gleichzeitig von dort aus nach hinten weg sprangen. Sänger ZP Theart erwies sich als guter Frontmann, obwohl seine Darbietung optisch vielleicht etwas zu sehr an James LaBrie von Dream Theater erinnert. Songtechnisch waren mir leider nur die Stücke des aktuellen Albums „Inhuman rampage“ geläufig. Die funktionierten live prächtig, da selbst die ausgedehnten Instrumentalpassagen durch eine einwandfreie und energiegeladene Performance untermauert wurden.
Es brauchte schon Deutschlands derzeit wohl beste Heavy Metal Band, um auf die Show von Dragonforce noch einen drauf zu setzen. EDGUY erledigten diese schwere Aufgabe mit einem Achselzucken. Ich kann mich nicht erinnern, von Tobi Sammet und seine Mannen jemals enttäuscht worden zu sein. Und auch an diesem Abend zerlegten sie die Halle mal wieder liebevoll in ihre Einzelteile. Edguy sind aus der Konserve schon saustark. Live kennt die Kreativität dieser Band jedoch keine Grenzen. Alltime Hymnen wie „Vain glory opera“ und „Babylon“ werden perfekt ergänzt durch die neuen Smasher „Catch of the century“, „Fucking with fire“ und natürlich „Superheroes“. Mit „Mysteria“, „Lavatory love machine“ und „King of fools“ nahm das vorletzte Album der Spaßtruppe einen nicht unbeträchtlichen Teil der Setlist ein, so dass ein paar Fans der ersten Stunde ein wenig meckerten, da sie einige alte Hits vermissten. Irgendwer hat eben immer was zu schimpfen. Zum Beispiel dass mit „Sign of the cross“ nur ein Avantasia Stück gespielt wurde. Aber hey, das war ein Edguy Konzert. Trübe Gedanken blies die Band mit Aktionen wie dem Hula Hula Metal Song „Trinidad“ oder Fragmenten von Maidens „The Trooper“ und Hammerfalls „Hearts on fire“ wieder davon. Das Publikum wurde von Frontmann Sammet mit sicherer Hand und coolen Ansagen durch das Programm geführt. Tobi bewies wieder einmal, dass er einer der besten Entertainer der Metal Szene ist. Doch auch der Rest der Band etablierte sich zielsicher als Live Performance Kampfsäue aller erster Güteklasse. Edguy zeigten sich einmal mehr in bestechender Form und kündigten sich somit für weitere Großtaten an. Bin gespannt, was wir von dieser facettenreichen Band noch unter die Nase gerieben bekommen. Ich freu mich jetzt schon drauf.
geschrieben am 26.02.2006 von Christian
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musikalischer Background des Verfassers Maiden, Epic Viking Metal, Doom Metal, True Metal, Heavy Metal, Power Metal, Old School US Metal, 80ies Thrash
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