Das Originalreview mit Cover, Bandinfos, Links sowie eine Druck- und Versandversion ist hier nachzulesen:
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Red Harvest "The Red Line Archives"
Reviewtext: Gerade mal etwas über ein Jahr ist es her, dass die Industrial-Ikonen RED HARVEST ihr letztes Studioalbum „A Greater Darkness“ veröffentlichten. Nun stehen die Norweger bereits wieder mit einer Art Best-Of Album in den Startlöchern, dessen Zusammenstellung nach deren Aussage quasi wie von selbst erfolgte, da die Tracks wie ein ganzheitliches Konstrukt wirken und ein geradezu bedrohliches Eigenleben entwickelt haben. Einige Songs wurden dafür noch einem Remix unterzogen.
Tatsächlich ist das gesamte Album ein Bollwerk gegen die Schönwetterfraktion und ein Zeugnis düsterer musikalischer Visionen.
Für mich als Liebhaber hartmetallischer wie auch elektronischer Klänge ist es sehr willkommen, dass auf dem Album nicht nur kakophone Industrial-Stampfer sondern auch sanftere, minimalistische Ambient-Klangteppiche herrschen, die einen behutsam in eine andere Audio-Dimension tragen. Die E-Gitarren verschmelzen mit dem Soundwall und sind lediglich eines von vielen stilistischen Mitteln in diesem Industrial-Inferno. Während manch anderer Act stets darauf aus ist, immer in voll-auf-die-Fresse-Manier draufloszulärmen, kriechen die Songs von RED HARVEST eher subtil ins Ohr und entfalten nach und nach ihre ganze Pracht. Klare Songstrukturen sind dabei natürlich nicht zu erwarten. Obwohl sich das Album insgesamt von Song zu Song langsam wie eine zähe, bedrohliche Nebelbank voranschiebt, blitzen z. B. mit „Synthesize My DNA“ und „Technocrate“ doch echte Nackenbrecher à la Ministry auf. Und obwohl sich die Norweger in ihrer chaotischen Welt aus Anti-Sound stets als experimentell und vielseitig erwiesen haben, bietet diese Zusammenstellung besonders finstere und psychotische Ausbrüche des Quintetts.
Es bleibt also festzuhalten, dass „The Red Line Archives“ weniger durch seine Metal-Elemente aber umso mehr durch die elektronische Industrial-Kälte überzeugen kann. Darin sind RED HARVEST echte Könner. Angereichert werden die Songs noch durch den obligatorisch verzerrten, mal wütenden mal beschwörenden Gesang.
Den Ausnahmestatus dieser Band zeigen unter anderem die Nominierungen für den Spellemannsprisen (der Norwegischen Version des Grammy) in der Sparte bestes Metal-Album 2002 und 2007.
Fazit: Für freigeistige Metaller, die sich auch mal auf EBM-Partys und ähnliche Veranstaltungen trauen, wird diese gelungene Zusammenstellung eine Offenbarung darstellen. Keine Musik zum Mitgröhlen und Headbangen, sondern zum darin Versinken und Leiden. Sehr intensiv und für einige sicherlich starker Tobak. Ein hypnotisierender Rundumschlag der seit ihrem 1992er Debüt agierenden Truppe.