Das Originalreview mit Cover, Bandinfos, Links sowie eine Druck- und Versandversion ist hier nachzulesen:
http://www.metalglory.de/reviews.php?nr=13809
"Mors Cordis "Das Prinzip" (CD)"
Reviewtext: Crossover hatte in den 80er Jahren ja mal einen ganz guten Klang, als etwa die Dirty Rotten Imbeciles (D.R.I.) oder BIOHAZARD ihr (Un)wesen getrieben haben.
Aber dann wurde der Hüpf-Hopf (HipHop) erfunden und das änderte alles – wenigstens für mich ... bis auf den heutigen Tag. Ich habe immer und werde immer HipHop HASSEN, und wenn es das Letzte ist, was ich tue – vor allem und nicht zuletzt die deutsche Variante dieser in meinen Ohren akustischen Umweltverschmutzung, welche in unserer Hauptstadt (ach hätten wir doch Bonn behalten ...) derzeit in Form des sogenannten „Aggro“ fröhliche Urständ feiert.
Jedenfalls dachte ich das bis heute ...
Derart angepißt – weil ich das Presseinformationsblatt dieser Veröffentlichung vorab gelesen hatte (wann lerne ich eigentlich, daß man das einfach nicht tun soll !?) – legte ich vorliegenden Silberling ein ... und war gelinde gesagt überrascht, ja regelrecht von den Socken ob des auf „Das Prinzip“ Gebotenen !
Denn was die ebenfalls aus Berlin stammenden MORS CORDIS hier an wütendem Feuerwerk verschiedenster Musikstile abfackeln, das ist schon sensationell !
Zunächst einmal ist die Mucke der Burschen deutlich mehr Metal als irgendwas anderes, das merkt man sofort und über das gesamte Album hinweg an den schneidenden, fräsenden und stets dominierenden Gitarren.
Aber dann kommt der eigentliche Knüller: Über weite Strecken und selbst beim Co-Gesang mit irgendeiner Gothic-Tante verwöhnt uns Torsten nämlich mit tiefgelegten Death Metal Grunts vom Allerallerfeinsten !
Und – was soll ich sagen – diese Mischung aus modernem Rock, Metal und – ja, auch HipHop – funktioniert ganz vorzüglich !
Die Burschen können Songs schreiben, haben ein Gespür für das Wesentliche und sind offenbar professionelle Musiker mit einer gehörigen Portion Humor und der Fähigkeit sich selbst nicht allzu bierernst zu nehmen, was m.E. einer wichtigsten Voraussetzungen für glaubwürdige Künstler überhaupt ist.
„Das Prinzip“ begeistert mich von mal zu mal mehr, so erfrischend und „anders“ sind die darauf dargebotenen Stücke, so intensiv und abwechslungsreich sind sie, daß man sich eine ganze Weile gar nicht satt hören kann daran ...
„Das Prinzip“ bietet aber noch wesentlich mehr als den soeben geschilderten althergebrachten Crossover: Gothic-Elemente sind ebenso vertreten wie Zitate aus klassischem Rock und Pop, sowie Streicher- und Klavierarrangements und diverse Sample-Loops.
Anspieltip und bestes Stück: ‚Die Seuche’, welches mit einem dezent unterlegten gesampleten Didgeridoo oder so was in der Art tatsächlich den Spagat schafft zwischen dem von mir bislang so gehaßten gestammelten deutschen Hiphop-Reim-Passagen und herrlich eingegrunztem purem Death Metal.
Das habe ich so noch NIE zuvor gehört !
Zu einer regelrechten Hymne für die von Pflastersteinen dicke Luft mancher deutscher Großstädte am 1. Mai könnte sich Stück 8, ‚Stand Up For Your Rights’ (“Fuck The System ! - Fuck The System !”) mausern – das ist ganz große Musik !
So nebenbei haben MORS CORDIS, wenn man sich damit beschäftigt, eine ganze Latte sozialkritischer und ziemlich unter die Haut gehender intelligenter Texte am Start.
Diesbezüglich am eindringlichsten – nicht zuletzt, wenn man die aktuellen Diskussionen um die Satirefähigkeit der beiden großen Weltreligionen betrachtet – ist der Track ‚War Remains War’.
Ich ziehe meinen Hut vor MORS CORDIS, weil sie es geschafft haben mit nicht einmal einer Dreiviertelstunde moderner erfrischender Musik einige meiner tiefsitzendendsten Vorurteile aufzuweichen und in Nichts zu zerbröseln – Danke, Jungs: Ihr habt mir neue Horizonte eröffnet !!!
8 Punkte.
Tracklist::
01. Das Prinzip
02. Nobody
03. Desire For Perfection
04. Die Seuche
05. Fuck Your Religion
06. Tief in mir
07. War Remains War
08. Stand Up For Your Rights
09. Im Namen des Grimms
10. Kein Freund kein Helfer
11. Agonie
Line-Up:
Torsten Pfundt – Gesang
Sascha Koritzki – Gitarre
David Warnert – Gitarre
Sascha Kummer – Bass
Dennis Kölpin – Schlagzeug