Darf sich Heavy Metal weiterentwickeln? Kürzlich diskutierte ich mit einem Bekanntem über ein - aus meiner Sicht - insgesamt gutes Album, welches er im Gegenzug zu modern und deswegen schlecht fand. Schließlich hätten artfremde Instrumente so wenig im Metal verloren wie der Mut die starren, traditionellen Grenzen mit neuen Elementen aufzubrechen. Darf eine Band plötzlich mit Didgeridoo arbeiten und mit Sprechgesang Neues versuchen? Natürlich nicht!
Denn sonst hätte es nach der (kommerziellen) Talsohle Mitte der Neunziger nie ein Wiederaufleben des traditionellen Metals gegeben.
Das alles bringt mich zu der Frage: Auf welcher Grundlage legen Dogmatiker und Metal-Polizisten die Grenzen fest, in denen sich eine Band bewegen darf?
Die Paradoxie dieser Einstellung offenbart sich beim Blick in die Historie unserer Musik. Waren die Väter unserer Bewegung doch genau solche Revolutionäre, die etwas gänzlich Neues in diese Welt gebracht haben. Wären Ozzy, Iommi, Buttler, Ward damals genau so starr in den vorgegeben Schienen geblieben, dann hätte es nie Black Sabbath und damit auch nie den Metal gegeben. Diesen Strahl kann man getrost weiterziehen und auf andere Subgenres des Metal übertragen:
Tiamat spielen mit Wildhoney einen unsterblichen Klassiker ein, weil der Death Metal in der Sackgasse war,
At The Gates erschaffen einen Stil, dem bis heute tausende Bands gefolgt sind und
Chuck Schuldinger gründete eine Band, deren Namen eine ganze Stilrichtung bezeichnet.
Ebenso der zur Zeit so angesagte Metalcore.
Ist dies nicht alles nur deswegen entstanden, weil diese Menschen den Mut hatten, sich nicht dem Schubladen-Denken zu beugen? Wir Metaller erheben doch immer den Anspruch anders zu sein als die breite Masse und doch ist unsere erzkonservative Denke, wie sich nun Band X oder Y anzuhören hat ausgeprägter als bei denen, über die wir immer so gerne lästern. Kein Musikstil ist so international und deswegen so tolerant wie der unsere. Nur unsere elitären Hüter des wahren Geschmacks wollen oder können sich nicht an diese Ideale erinnern. Auch Metal lebt von der Weiterentwicklung, die unserer Szene so gut tut und das beste Gegenargument für die "Hört sich doch alles gleich an"-Floskel ist. Stillstand hat noch nie positive Effekte gebracht. Das soll nun nicht bedeuten, dass Maiden zu einer NuMetal-Band konvertieren sollte oder Motörhead nun Techno-Rock spielen sollen. Wir brauchen die Traditionalisten ebenso wie die Querdenker und Innovatoren. Nur durch diese homogene Mischung ist unsere Musik so bunt, vielfältig und abwechslungsreich geworden. Oder wolltet Ihr in Wacken 50 Maiden-Klone hören?
Vielleicht denkt Ihr darüber nach und beurteilt die Alben der Künstler nicht nur nach einem Leitfaden, sondern auch nach der Qualität ihrer Musik. Denn beides bedingt sich nicht gegenseitig.
geschrieben am 03.08.2005 von Lex
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musikalischer Background des Verfassers True-und Power-Metal, Viking/Pagan/Folk-Metal, Osteuropa und Exoten in jeglicher Form, Genreübergreifendes, auch mal Thrash oder Death und Black in melodischer Ausprägung sowie ein wenig Gothic und Punk.
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