"Schmetterlings-Tempel", ein interessanter Name für eine Gruppe. Das Cover der Debüt-CD ziert ein mit folkloristischen Ornamenten umrahmtes Bild von einem einsamen Reiter auf seinem Pferd im Wald, im Hintergrund die untergehende Sonne. Ich bin immer noch nicht schlauer, was mich bei dieser Gruppe erwartet, also schiebe ich die CD in den Player und drücke auf Start. Hmm, ein A-Cappella-Intro und ein erstes Lied mit Folkeinflüssen bringen mich immer noch nicht weiter. Dann plötzlich beginnen Wölfe zu heulen – meine Stirn erhellt sich – ein rauh-kratziger Sänger beginnt die ersten Laute von sich zu geben – und ich sehe klar, betrachte mir das Cover noch einmal und deute nun die anfänglich untergehende Sonne in einen aufgehenden Mond um, während auf der CD wieder ein Wolf heult. Denn Mond, Moon, Moonspell… das sind die Einflüsse dieser Truppe, die sie geschickt mit heimischen Folkelementen zu mischen wissen. Mein angestrengtes Raten hätte ich mir sparen können, denn beim siebten Lied tönen wohlbekannte Klänge aus den Boxen und ich kann plötzlich jedes Wort mitsingen, was bei den vorherigen Liedern doch am Russischen haperte, aber "Alma Mater" von eben jenen Portugiesen kennt man doch in- und auswendig.
War "Veles" noch eine Eigenproduktion gewesen, so halte ich zwei Jahre später mit "Koleso Tschernoboga" (Rad von Chernobog) eine richtige Label-CD in den Händen, was man auch am verbesserten Sound merkt, der einem kräftiger um die Ohren bläst. Und die Musik? Butterfly Temple scheinen jetzt ihren eigenen Stil gefunden zu haben und klingen nicht mehr nach einem Moonspell-Klon, auch wenn deren Einflüsse in der Stimme des Sängers weiterhin unüberhörbar sind. Hinzu gesellen sich die theatralischen Chor-Elemente von Therion, das Ganze wird mit russischen Folkelementen gewürzt und mit leichtem, gelegentlichem Einsatz von Blasinstrumenten unterlegt. Herausgekommen ist ein Sounderlebnis, das vom ersten bis zum letzten Stück der CD zu begeistern weiß.
Da ja bekanntlich die dritte Scheibe über Aufstieg oder Fall einer Gruppe entscheidet, wartete ich ein ganzes ungeduldiges Jahr und 2:22 Intro-Minuten bis ich die Gewißheit hatte: Mit Butterfly Temple ist in Rußland eine Gruppe herangereift, die das Potential zu etwas ganz Großem hat. Von Scheibe zu Scheibe wird die Musik immer vielschichtiger und somit unbeschreibbarer: Folk-, Doom- und Black-Elemente treffen auf zarte Frauenstimmen, kreischende und klare Männergesangparts wechseln sich ab und werden durch eine Erzählstimme ergänzt, klassische Orchester-Parts und mittelalterliche Instrumente liefern sich mit Gitarren ein Duell in rasend schnellen, hymnenhaften oder verträumten Passagen. "Sny sewernogo morja" (Träume von der nördlichen See) ist ein Klangerlebnis, welches geschaffen wurde für eine einsame mondhelle Nacht an einem skandinavischen Fjord oder einem See irgendwo in den russischen Wäldern. Diese CD legt die Meßlatte ziemlich hoch für die vierte CD, die ich jetzt schon sehnsüchtig erwarte.
Der Text wird bald mit der neuen CD forgeführt.
1999 Veles CD
2001 Koleso Tschernoboga CD
2002 Sny sewernogo morj CD
2003 Troloju krowi po bolje roda CD
geschrieben am 29.04.2004 von Børge
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musikalischer Background des Verfassers Death Metal, Experimental, Grind, Doom, Sludge, Hip-Hop, Jazz, Prog in allen Varianten
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