Ein Name, bestehend aus drei Vornamen und einem Nachnamen. Ein Buch, bestehend aus drei Teilen. Ein grandioser Erfolg und die Geburt einer ganzen Literaturgattung. Was sich auf solch simple Art und Weise auf ein paar Wörtchen reduzieren lässt, ist in Wirklichkeit eines der Phänomene internationaler Literaturgeschichte.
Ein Name, bestehend aus drei Vornamen und einem Nachnamen. Ein Buch, bestehend aus drei Teilen. Ein grandioser Erfolg und die Geburt einer ganzen Literaturgattung. Was sich auf solch simple Art und Weise auf ein paar Wörtchen reduzieren lässt, ist in Wirklichkeit eines der Phänomene internationaler Literaturgeschichte. Der Brite John Ronald Reuel Tolkien erschuf das Genre der Fantasy Literatur im Alleingang, dennoch wollte sich anfangs kein Verlag erbarmen, das „viel zu lange“ und aufgrund der damaligen Papierknappheit auch viel zu teure Mammutbuch zu veröffentlichen. Glücklicherweise fand Tolkien mit Allen&Unwinn schlussendlich doch noch einen Verlag, um seinen komplexen „Mittelerde“-Komos, welcher er zuvor im „Hobbit“ lediglich andeutete, auf die Menschheit loszulassen. Der Rest ist Geschichte. „Lord Of The Rings“ ist das mit Abstand einflussreichste Buch phantastischer Literatur und die auf filmischer Ebene ebenso visionäre Umsetzung Peter Jacksons konnte bei der letzten Oscar-Verleihung stolze elf Trophäen mit nach Hause nehmen, zudem ist der dritte Teil der „Ring“-Trilogie der zweiterfolgreichste Film aller Zeiten. Nur verständlich also, dass ein solches literarisches Werk auch in anderen künstlerischen Bereichen seine Kreise zieht, Menschen prägt, beeinflusst und verändert. Dennoch hätte es der gläubige Katholik Tolkien wohl niemals für möglich gehalten, dass es gerade aus dem Bereich des Heavy Metal in all seinen diabolischen Schattierungen ungezählte Formationen gibt, welche sich mit Pseudonymen aus den Reichen Mittelerdes schmücken, ihre lyrischen Ergüsse an den Werken des Oxforder Professors anlehnen oder gar ihre Band nach Wesen, Landschaften oder Plätzen aus der unglaublichen Namensvielfalt in Tolkiens Werken benennen.
Im Folgenden möchte ich einmal eine kleine Liste unzähliger Bands der härteren Gangart erstellen, welche sich in irgendeiner Weise von Tolkien beeinflussen ließen. Natürlich erhebt diese Liste weder Anspruch auf Vollständigkeit (wahrscheinlich werden in diesem Moment gerade zwei neue Krachkapellen mit Namen aus Tolkiens phantastischen Welten gegründet), noch befinde ich alle Bands in dieser Liste für gelungen! Außerdem distanziere ich mich von jeglichen Äußerungen der nun folgenden Bands, die ich nicht alphabetisch sortiert aufliste!
Blind Guardian: Deutsche Speed Metal-Pioniere, welche mit „Nightfall In Middlearth“ unter Anderem ein komplexes Konzeptalbum über das „Silmarillion“ entworfen haben.
Burzum: Umstrittenes Black Metal-Soloprojekt des inhaftierten Varg Vikernes. Bis auf Bandname („zu Deutsch in etwa „Dunkelheit“), Pseudonym („Grishnackh“ – ein fieser Ork) sowie ein Songtitel („En ring til a herkse“ – „ein Ring sie zu knechten“) keine Verbundenheit zu Tolkien.
Fornost: Deutsche Underground Black/Pagan Metaller, welche just ihr geniales Debüt veröffentlichten. Der Bandname bezeichnet ein Bollwerk Mittelerdes („nördliche Festung“), zudem ist Mitglied Thauron nach einem der edlen Valar benannt.
Gorgoroth: Norwegische True Black Metaller, unlängst durch ihren Skandal-Auftritt im Polen ins Gerede gekommen. Bis auf den Bandnamen, welcher eine Hochebene in Mordor bezeichnet, kein Bezug zu Tolkien. Hier sollte angemerkt werden, dass auch der einzige Musiker des australischen Projektes Baltak diesen Namen als sein Pseudonym wählte, was wohl der pure Schwachsinn ist, wer benennt sich schon nach einer Ebene oder einem Gebirge???
Rivendell: Österreichisches Folk/Black Metal-Solounterfangen des Talents Falagar. Neben einer durchgehenden lyrischen Verwurzelung in den Werken Tolkiens (Lieder wurden teilweise wortgetreu übernommen und genial instrumentiert) steht der Bandname für die Zuflucht der Elben, Bruchtal.
Summoning: Diese Band muss wohl nicht vorgestellt werden, besser können Tolkiens Werke einfach nicht umgesetzt werden. Musik für die Ewigkeit, alle Alben sind einmalige Zeugnisse beeindruckender Intensität. Weder Bandname noch Pseudonyme lehnen sich an Tolkien an, dennoch die wohl glühendsten Verehrer des genialen Autors.
Minas Morgul: Deutsche Nachwuchs-Pagan Metaller, deren Name die „tote Stadt“, die Stadt der Ringgeister“ bezeichnet.
Isengard: Der Turm des zum Bösen übergetretenen Zauberers Saruman ist das Zuhause des längst auf Eis gelegten Projektes von Fenriz (Darkthrone), dennoch ist der Bandname einzige Verbindung zu den Gegenden Mittelerdes.
Khazad Dhum: Grottenschlechte deutsche „Black“ Metal-Band, an Einfallslosigkeit kaum zu überbieten. Eine Schande, dass dafür das sagenumwobene Zwergenreich „Moria“ herhalten musste!
Grom: Solo-Projekt, welches bereits vor geraumer Zeit in Vergessenheit versank. Der Bandname steht für die mächtige Waffe des ersten dunklen Herrschers Morgoth.
Morannon: Das „schwarze Tor“, der Eingang ins verdorbene land Mordor, war Namensgeber dieser schwedischen Black Metal-Truppe.
Nargothrond: portugiesische Truppe, welche neben dem Bandnamen (eine elbische Festung im ersten Zeitalter) auch lyrisch Themen aus Tolkiens Universum abhandelt.
Barad Dür: Wieder eine stumpfsinnige deutsche Band, die Tolkiens erdachte Namen beschmutzt, Diesmal ist der dunkle Turm und Domizil Saurons das Ziel dieser geistigen Tiefflieger. Bravo!
Old Forest: Aus Britannien stammt diese Truppe, deren Bandname einen alten (ach!) und gefährlichen Wald symbolisiert, wenig weitere Bezugspunkte.
Saruman: deutsche Death Metaller, die bis auf den Bandnamen nichts mit Tolkien am Hut haben. Ein weiteres Beispiel für die Ideenlosigkeit vieler Bands.
Abigor: Leider nicht mehr existentes österreichisches Black Metal-Sahnestückchen. Unter Anderem ein Demo namens „Ash Nazg…“ („Ein Ring, sie zu knechten…“)
Dimmu Borgir: Zugegeben, eigentlich haben diese hier nichts zu suchen, dennoch ist Frontschreihals Shagrath offensichtlich bei einem Plausch mit einem weiteren bösen Ork zu seinem Namen inspiriert worden.
Battlelore: Finnische Folk Metaller, die sich auf in Sachen Kostümgestaltung ganz in Tolkiens Tradition sehen und die Bühne als Uruk-Hai, Orks und Elfen entern. Lyrisch absolut in Tolkiens Büchern verwurzelt.
Amon Amarth: Schwedische Viking/Death Metaller, die sich den Schicksalsberg als namen herausgepickt haben, aus lyrischer Sicht aber in gänzlich anderen Gewässern schippern.
Wie ich bereits erwähnte, erachte ich diese Liste absolut nicht als vollständig, werde aber von Zeit zu Zeit weiter recherchieren und nach fehlenden Bands suchen, daher ist es angebracht, ab und an einmal vorbeizuschauen. Würde mich freuen, teilte man mir mit, was ihr von dem Artikel haltet oder ob ihr Bands vermisst!
geschrieben am 20.04.2004 von Lavalampe
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